Wie kann inklusive Bildung im Schulalltag besser gelingen? Wie können Jugendliche individuell gefördert und beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Verbundprojekt „IvO – Inklusion vor Ort“[1]. Gemeinsam entwickeln Forschende der Universität Paderborn (Verbundleitung), der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Rostock neue Ansätze für inklusive Bildungsarbeit an Berufskollegs. Im Fokus stehen insbesondere Bildungsgänge der Ausbildungsvorbereitung. Das Projekt wird im Rahmenprogramm empirische Bildungsforschung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) mit rund 790.000 Euro gefördert und läuft von April 2026 bis März 2029.
Inklusion gemeinsam gestalten
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Übergänge zwischen Schule und Beruf besser gestaltet und Jugendliche in ihrer individuellen Entwicklung wirksamer unterstützt werden können. Viele Schulen stehen dabei vor der Herausforderung, dass pädagogische Zusammenarbeit im Alltag nur begrenzt strukturiert ist und Jugendliche ihre eigenen Stärken und Perspektiven häufig nur unzureichend einschätzen können.
„IvO“ setzt genau an dieser Schnittstelle an und verbindet zwei Perspektiven: die Entwicklung tragfähiger Kooperationsstrukturen in Schulen sowie die gezielte Unterstützung von Jugendlichen bei der Wahrnehmung und Darstellung ihrer eigenen Fähigkeiten. Dafür werden sogenannte Selbstinszenierungspraktiken genutzt. Jugendliche setzen sich dabei aktiv mit ihren Interessen, Kompetenzen und Zielen auseinander und machen diese sichtbar. Dadurch sollen sie Orientierung gewinnen und ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg selbstbestimmter gestalten können.
„Mit IvO wollen wir zeigen, wie inklusive Bildung dort wirksam wird, wo sie im Alltag entsteht. Entscheidend ist, dass Jugendliche ihre Stärken erkennen und Schulen zugleich Strukturen entwickeln, die genau das ermöglichen – im gemeinsamen Arbeiten aller pädagogischen Professionen“, erklärt Prof. Dr. H.-Hugo Kremer von der Paderborner Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Verbundleitung des Projekts.
Die Umsetzung erfolgt eng mit den beteiligten Schulen. Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Förderpädagogik und weitere Fachkräfte arbeiten in gemeinsamen Werkstätten und Entwicklungsformaten zusammen. Dort werden neue Ansätze erprobt, reflektiert und an die jeweiligen schulischen Bedingungen angepasst. Auch Jugendliche werden aktiv in die Entwicklungsprozesse einbezogen. Als erster Praxispartner ist das Berufskolleg für Technik und Gestaltung in Gelsenkirchen beteiligt.
Das Projekt knüpft an das vom damaligen BMBF geförderte und 2024 abgeschlossene Forschungsprojekt „SeiP: Selbstinszenierungspraktiken – Zugänge zu einer selbstbestimmten, multimodalen Kompetenzfeststellung für Jugendliche mit Benachteiligung/Behinderung“ an. Während dort didaktische Konzepte für inklusive Bildungsarbeit entwickelt wurden, steht bei „IvO“ deren Umsetzung im Schulalltag im Mittelpunkt. Am Ende des Projekts entstehen praxisnahe Ergebnisse für unterschiedliche Zielgruppen im Bildungsbereich. Dazu gehören Leitlinien für den Transfer inklusiver Bildungsinnovationen, Konzepte für die Weiterbildung multiprofessioneller Teams sowie Materialien für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften. Ziel ist eine langfristige Verankerung wirksamer inklusiver Bildungsarbeit an Berufskollegs und eine Stärkung der Bildungs- und Teilhabechancen junger Menschen.
[1] Ausführlicher Titel: „IvO - Inklusion vor Ort: Selbstinszenierungspraktiken als Katalysator individueller Förderung, sozialer Integration und inklusiver Bildungsarbeit in multiprofessionellen Teamstrukturen“.