Wie kann Open Science weiterentwickelt werden und welche Herausforderungen gibt es dabei? Dazu haben sich Lehrende, Forschende und Promovierende beim Open Science Symposium an der Universität Paderborn ausgetauscht. Es wurde organisiert von dem Forschungsteam des Projekts OASE[1], das die Open Access-Kultur (OAK) an der Universität untersucht und Maßnahmen zum Ausbau entwickelt hat. Nach einer mehr als zweijährigen Forschungszeit schließt das Projekt nun ab. Das Symposium diente, neben dem Austausch, auch als Start für eine partizipative Entwicklung einer neuen Open Science-Strategie. Das bedeutet, dass bei der Ausarbeitung alle betroffenen Statusgruppen einbezogen werden sollen.
„Wir möchten hier an der Universität Paderborn schauen, wie das Konzept von Open Science unter den gegebenen Voraussetzungen organisiert und weiterentwickelt werden kann“, sagte Prof. Dr. Thomas Tröster, Vizepräsident für Forschung und akademische Karrierewege, bei der Begrüßung der Anwesenden. Im Anschluss gaben Anna Nickel, Direktorin der Universitätsbibliothek, und Dr. Jeannine Teichert, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaften, Impulse aus dem OASE-Projekt und berichteten über die Entwicklung einer OAK an der Universität Paderborn.
Bei einer Keynote von Dr. Rafael Ball, leitender Bibliothekar an der ETH Zürich, stand das Spannungsfeld von künstlicher Intelligenz (KI) und Openness im Mittelpunkt. Er betonte, dass neben allen Chancen, die Open Access bietet, auch über die Risiken geredet werden sollte. Diese zeigen sich unter anderem in einer Intransparenz der Datennutzung und dem teilweise fehlenden Copyright bei KI sowie dem Verlust der eigenen Datenhoheit. Ziel sei es im Umgang mit KI und Open Access, die wissenschaftliche Qualität und das Vertrauen in die Wissenschaft zu erhalten. Bei der anschließenden Fragerunde stellte er klar, dass Wissenschaft keine Mauern um sich herum hochziehen dürfe, sondern offen und sichtbar sein müsse.
Abschluss von OASE
Durch Open Access sollen Forschungsergebnisse und -daten ohne technische oder rechtliche Barrieren im Internet unmittelbar mit ihrer Veröffentlichung weltweit kostenfrei zugänglich sein. Das bietet sowohl Wissenschaftler*innen als auch Interessierten viele Vorteile. Das Projektteam von OASE hat sich das Ziel gesetzt, eine Bestandsaufnahme an der Universität Paderborn zu machen, Maßnahmen zur Verbreitung der OAK zu entwickeln und durch die gewonnenen Erkenntnisse ein Transferkonzept für andere Hochschulen zu erstellen.
Die zentralen Ergebnisse der Umfragen und Interviews zeigen, dass Open Access an der Universität von vielen Wissenschaftler*innen unterstützt wird. Jedoch schlägt sich diese Unterstützung noch nicht in der täglichen Praxis nieder, da das Wissen zum Thema noch nicht in der Breite vorhanden ist und dadurch Kompetenzen fehlen, um Open Access-Praktiken umzusetzen. Hinderliche Faktoren sind dem Team zufolge meist eher systematisch verankert, unter anderem durch eine komplexe Umsetzung und wechselndes wissenschaftliches Personal aufgrund von befristeten Stellen.
Als Maßnahmen hat das Forschungsteam, neben dem Open Science Symposium, verschiedene Open Access-Talks und Workshops organisiert, bei denen das Thema von verschiedenen Seiten sichtbar gemacht und diskutiert wurde. Noch bis März wird das Projekt OASE vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. „Eine Open Access-Kultur ist an der Universität Paderborn noch nicht verankert, dabei ist sie allerdings kein Einzelfall unter den Hochschulen. Es hat sich gezeigt, dass Open Access ein Teil einer Open Science-Kultur ist und andere Themen wie Open Data vor den gleichen Herausforderungen stehen“, sagt Prof. Dr. Gudrun Oevel, CIO der Universität. Prof. Dr. Dorothee M. Meister vom Institut für Medienwissenschaften ergänzt: „Unser Ziel ist es, nun größer zu denken und von Open Access in Richtung Open Science zu schauen.“ Dazu sollen Maßnahmen aus dem Projekt, wie Informationsveranstaltungen oder Schulungen, weitergeführt werden. Das Projektteam empfiehlt, eine Open Science-Kultur systematisch zu entwickeln, um insgesamt Handlungsorientierungen innerhalb der Universität zu schaffen. Dabei sollten die Chancen und Herausforderungen des freien Zugangs zur Wissenschaft einbezogen werden.
[1] OASE steht für „Systematische Entwicklung einer Open Access Kultur an der Universität – eine entwicklungsorientierte empirische Case Study“