„Frau­en sto­ßen beim Grün­den noch im­mer auf struk­tu­rel­le Hür­den“: In­ter­view zum In­ter­na­ti­o­na­len Frau­en­tag 2026

 |  GründenStart-upTransferPressemitteilungTechnologietransfer- & Existenzgründungs-Center (TECUP)garage33

Seit 1911 findet der Internationale Frauentag statt. Am 8. März demonstrieren Menschen weltweit für gleiche Rechte und ein selbstbestimmtes Leben. Sie fordern u. a. Chancengleichheit im Arbeitsalltag, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Aufteilung der Sorgearbeit. Auf Demonstrationen und Veranstaltungen machen sie auf Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aufmerksam, die sich in verschiedenen Bereichen abzeichnen. Diese Unterschiede treten auch unter Start-up-Gründer*innen auf. 

Katharina Guth und Jil Schlüter sind Gründungscoaches in der garage33, dem Gründungszentrum der Universität Paderborn, und gehen darauf in einem Interview ein. Sie erklären u. a., warum Frauen weniger gründen und welche Rolle Hochschulen in diesem Zusammenhang spielen. 

Laut dem Female Founders Monitor 2025, einer Studie des Startup-Verbands und der Bertelsmann Stiftung, liegt der Anteil an Start-up-Gründerinnen in Deutschland bei rund 19 Prozent. Warum gründen Frauen deutlich weniger Start-ups als Männer?

Zum einen stoßen Frauen beim Gründen noch immer auf strukturelle Hürden, etwa beim Zugang zu Finanzierung, Netzwerken oder Vorbildern. Nach wie vor gehen 91 Prozent aller Investments an rein männliche Teams und generell ist die Start-up-Szene sehr männlich geprägt. Zudem kommen gesellschaftliche Erwartungen und ungleiche Belastungen, z. B. durch Care-Arbeit, also familiäre Betreuung, Pflege und Verantwortung, hinzu. Das sind Faktoren, die die Entscheidung zur Gründung erschweren. Zum anderen gründen Frauen häufig in Branchen, die weniger Risikokapital anziehen, obwohl sie gesellschaftlich von hoher Relevanz sind, wie z. B. Bildung, Nachhaltigkeit oder der soziale Sektor. Solange die Rahmenbedingungen nicht chancengleich sind, bleibt weibliches Unternehmertum unterrepräsentiert – trotz hoher Motivation und Kompetenz. 

Sie beraten während der Gründungscoachings Menschen mit vielen unterschiedlichen Ideen und Vorstellungen. Nehmen Sie auch Unterschiede in den Themen oder Fragestellungen wahr, mit denen Frauen und Männer in die Beratung kommen?

In der Beratung fällt auf, dass Gründerinnen ihre Ideen oft schon lange mit sich herumtragen, sehr sorgfältig vorbereiten und einen starken Fokus auf Sinn, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Mehrwert legen. Sie sind motiviert durch Problemstellungen, die sie persönlich berühren und schätzen eher vorsichtig ein, was realistisch erreichbar ist, obwohl ihre Erfolgschancen objektiv nicht geringer sind. Männer sind dagegen häufiger motiviert durch eine rein wirtschaftliche Sichtweise und neigen tendenziell eher dazu, ambitionierte Ziele schon früh sehr offensiv zu formulieren. Sie legen zudem den Fokus auf technologische Skalierbarkeit, die Automatisierung von Prozessen und die Entwicklung marktverändernder Innovationen. Dementsprechend sind sie präsenter in Bereichen wie Logistik, Elektrotechnik und Maschinenbau. Außerdem sprechen sie tendenziell früher über Finanzierung und Wachstum, während Frauen meist stärker Team- und Wertefragen betonen. Zahlreiche Studien belegen mittlerweile, dass diese Perspektiven sich wertvoll ergänzen und geschlechtsdiverse Teams deshalb besonders erfolgreich sind.

Mehr als die Hälfte der Start-up-Gründer*innen haben einen Hochschulabschluss. Damit bilden Studierende eine zentrale Gruppe mit Blick auf zukünftige Gründer*innen: Welche Rolle spielen Hochschulen dabei, mehr Frauen für die Gründung eines Start-ups zu ermutigen und zu unterstützen?

Hochschulen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Gründung als Karriereoption sichtbar zu machen und auch weibliche Vorbilder zu präsentieren. Dies ist wichtig, denn während 40 Prozent der männlichen Studierenden eine Unternehmensgründung in Betracht ziehen, sind es nach dem Female Founders Monitor 2025 bei den Frauen aktuell nur 21 Prozent. Gerade hier kann man früh Begeisterung wecken und Frauen bestärken, ihre Ideen auszuprobieren. Wichtig sind Räume, in denen Fehler erlaubt sind und Austausch auf Augenhöhe stattfindet – ob durch Gründerinnen-Netzwerke, Mentoring oder praxisnahe Formate. Je offener und zugänglicher die Gründungsförderung ist, desto mehr Studierende trauen sich, diesen Schritt tatsächlich zu gehen. In der garage33 bieten wir den Raum, in dem Gründerinnen sich austauschen, ein Netzwerk bilden und Unterstützung erfahren, z. B. durch offene Sprechstunden und Beratung zu Fördermöglichkeiten.

Was können Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben, die ein Start-up gründen möchten? 

Es wird Tage geben, an denen das „Imposter-Syndrom“ laut anklopft, also die Angst nicht gut genug zu sein und nur scheinbar kompetent zu wirken. Das ist völlig normal. Der Unterschied zwischen denen, die gründen, und denen, die es lassen, ist nicht die Abwesenheit von Angst – sondern die Entscheidung, es trotzdem zu tun. Dabei hilft es, ein klares Bild der eigenen Stärken zu erstellen. Denn viele Gründerinnen unterschätzen ihre vorhandenen Kompetenzen. Ein strukturierter Blick auf Erfahrungen, Fähigkeiten und bereits gemeisterte Herausforderungen schafft genau dann Selbstvertrauen. Außerdem hilft es, früh Kontakt zu einem unterstützenden Netzwerk aufzunehmen und sich Vorbilder zu suchen. Der Austausch mit anderen Gründerinnen senkt die Hemmschwelle, weil Sorgen normalisiert und konkrete Lösungen sichtbar werden. 

Weitere Informationen zum Gründungscoaching gibt es auf der Webseite der garage33.

Foto (Universität Paderborn, garage33): Katharina Guth (li.) und Jil Schlüter, Gründungscoaches in der garage33 der Universität Paderborn.

Kontakt

business-card image

Katharina Guth

Technologietransfer- & Existenzgründungs-Center (TECUP)

Gründungscoaching

business-card image

Jil Schlüter

Technologietransfer- & Existenzgründungs-Center (TECUP)

Gründungscoaching

E-Mail schreiben +49 5251 60-4656