PRAKTIK - Produktive Reflexionen und Anwendungen von KI in der Hochschullehre
Overview
Die Nutzung generativer KI, wie z.B. ChatGPT, ist Bestandteil universitären Lehrens, Lernens und Forschens geworden. Fast täglich werden neue KI-Anwendungen vorgestellt, die es ermöglichen Lehr-Lernprozesse zu unterstützen. Gleichzeitig gibt es bisher kaum fachspezifische Materialien, wie Lehrende und Studierende diese Anwendungen unter Berücksichtigung der fachkulturellen Praktiken einsetzen können. Diese fachspezifische Anwendung ist entscheidend, um eine effiziente und wissenschaftlich angemessene Nutzung zu ermöglichen.
Ziel des Projektes war es zu erproben und evaluieren, wie textgenerierende KI reflexiv und nutzbringend in disziplinäre Praktiken und Fachkulturen implementiert werden kann. Im Zentrum standen dabei die typischen Lehr-/Lern- und Prüfungsszenarien, wie Portfolios und Hausarbeiten. Hierfür wurden im Projektzeitraum von Ende Januar 2025 bis Ende Januar 2026 fachspezifische Anwendungsszenarien für das wissenschaftliche Schreiben mit KI entwickelt. Diese fachspezifische Anwendung waren entscheidend, um eine effiziente und wissenschaftlich angemessene Nutzung zu erproben, da fachspezifische Praktiken auf den jeweiligen epistemologischen Setzungen, methodologischen Zugängen und Anwendungskontexten beruhen. Der Austausch zwischen den beiden Fächer Soziologie und Wirtschaftspädagogik schaffte Synergieeffekte, da sowohl fachkulturelle Praktiken und Perspektiven als auch fachübergreifende Problemfelder und Anforderungen von Studierenden und Lehrenden aufgedeckt und reflektiert werden konnten.
Hierzu nutzen die Projektbeteiligten neben den Projekttreffen Diskussionsrunden, in denen Anwendungsszenarien von KI für die jeweiligen Fachkultur vorgestellt und diskutiert wurden:
• Szenario 1: Diskussion und kritische Überarbeitung von KI-Output in Seminarsitzungen – Fokus auf Prüfung der fachlichen Richtigkeit des Outputs
• Szenario 2: KI-Implementation im Literaturkurs (Fachdidaktik WiPäd) – Fokus Textarbeit mit KI und Studierendenvorstellungen von KI-Tools
• Szenario 3: Leitfaden zum Umgang mit generativer KI im Rahmen von Prüfungsleistungen – Fokus auf Angabe von KI-Tools bei Portfolios und Hausarbeiten
Die jeweiligen fachkulturellen Praktiken der Nutzung von KI für das wissenschaftliche Schreiben und die Implementation von KI-Tools in der Lehre wurden in diesem Rahmen reflektiert. Darüber hinaus wurden in Anlehnung an den Leitfaden, der von der UPB herausgegeben und überarbeitet wurde fachdidaktisch zugeschnittene Leitfäden der Angabe von KI-Tools bei Prüfungsleistungen für die jeweiligen Fächer entwickelt. Die Studierende meldeten zurück, dass der Austausch, sowie die fachspezifischen Handreichungen, Handlungssicherheit schafft und ihnen hilft den Einsatz der jeweiligen Tools zu reflektieren und die eigenen Praktiken kritisch zu hinterfragen. Für Lehrende wurde ein „Muster-Bewertungshorizont“ für die Bewertung von Hausarbeiten, sowie für Studierende eine „Muster-Eigenständigkeitserklärung“ für Hausarbeiten entwickelt.
Darüber hinaus wurde ein Blogbeitrag geschrieben und veröffentlicht, der exemplarisch die Verwendung der Software Elicit kritisch reflektiert . In diesem Blogbeitrag wird gezeigt, welche Herausforderungen und Fallstricke die Verwendung von KI-Tools für die Zusammenfassung von Literatur im Rahmen eines Forschungsstandes für soziologische Hausarbeiten auftreten. Jedoch war es aufgrund der Fülle, sowie der stetigen Weiterentwicklung der Tools nicht sinnvoll für weitere KI-Anwendungen gezielte Handlungsanweisungen zu geben, auch da sich die Tools und die Verwendung der zwischen den Fächern unterscheiden. Hier stellt das Projekt einen fortlaufenden Austausch- und Handlungsbedarf für alle Fächer fest, da die jeweiligen Tools individuell geprüft werden sollten bevor die Verwendung im Seminarkontext bzw. für Hausarbeiten mit den Studierenden gemeinsam evaluiert und bewertet werden.
Zentrale Ergebnisse sind, dass Studierende dabei unterstützt werden müssen die fachliche Richtigkeit des Outputs von KI-Systemen zu bewerten. Gerade im Kontext der sozialen Ungleichheit von Studierenden lassen sich Studierende aus nicht-akademischen Haushalten von dem Sprachduktus des Outputs blenden und brauchen eine gezielte Unterstützung beim Erlernen der fachkulturell geprägten Sprache, die in Hausarbeiten gefordert ist. Gerade bei der wissenschaftlich fundierten Reflexion pädagogischer Erfahrungen im Rahmen von Portfolios ist das Erschließen von wissenschaftlichen Texten eine Fähigkeit, die für Studierende „verlockend“ ist auszulagern, die jedoch zentral ist für eine fundierte Reflexion der persönlichen Erfahrungen und der eigenen Positionalität als angehende Lehrkraft, die im Portfolio gefordert wird. Die Textarbeit stellt hier einen wichtigen Baustein dar. Im PRAKTIK Projekt konnte gezeigt werden, dass Studierende naive Nutzungsweise von KI-Chatbots haben, die von der Vorstellung geprägt sind, dass der Output vertrauenswürdig ist. Daher brauchen Studierende fachkulturell informierte, sowie technisch versierte Lehrende, die sowohl die Nutzung als auch das Verständnis für die technische Funktion der Generierung vermitteln und kritisch reflexiv einordnen können. Dies spiegelt sich in den entwickelten fachspezifischen Leitfäden zur Nutzung und Angabe von KI-Tools in Hausarbeiten wider.
Key Facts
- Keywords:
- KI , ChatGPT , OER
- Project type:
- Lehre
- Project duration:
- 02/2025 - 01/2026
- Contribution to sustainability:
- Quality Education