Im Fokus: sichere Softwareentwicklung, NIS-2, Cyber Resilience Act und digitale Souveränität
Am 1. und 2. September lädt der Kompetenzbereich „Digital Security“ des SICP – Software Innovation Campus Paderborn zum 20. Paderborner Tag der IT-Sicherheit ein. Im Mittelpunkt der kostenfreien Veranstaltung der Universität Paderborn steht die Frage, wie sich Cybersicherheit verändert, wenn künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr nur unterstützt, sondern zunehmend selbstständig Code entwickelt, auf Systeme zugreift und Entscheidungen trifft. Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren in der Zukunftsmeile 2 aktuelle Ansätze für sichere Softwareentwicklung, die Umsetzung der zweiten EU-Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS-2) und des Cyber Resilience Act (CRA) sowie Europas digitale Souveränität. Das vollständige Programm und die Anmeldemöglichkeit finden Interessierte auf der Veranstaltungsseite.
Agentische KI und sichere Softwareentwicklung
Den wissenschaftlichen Auftakt bildet die englischsprachige Keynote „Agentic Software Development and Security: The Paradigm Shift“ von Marcel Böhme vom Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre. Er zeigt, wie Large Language Models und Coding Agents die Geschwindigkeit der Softwareentwicklung grundlegend verändern und welche neuen Fragen sich daraus für die Analyse, Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit automatisch erzeugten Codes ergeben.
Weitere Vorträge behandeln neue Verfahren zur automatisierten Analyse von Software, die kontextabhängige Erkennung sensibler Daten sowie den sicheren Einsatz autonomer KI-Agenten. Zum Abschluss des ersten Tages stehen dabei insbesondere messbare Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen, Berechtigungssteuerung, „Zero Trust“, menschliche Kontrollpunkte und digitale Souveränität im Mittelpunkt. Dr. Simon Oberthür, Manager des Kompetenzbereichs „Digital Security“ im SICP, erklärt: „KI-Systeme entwickeln sich gerade sehr schnell von unterstützenden Werkzeugen zu Systemen, die selbstständig Code erzeugen, auf Anwendungen zugreifen und Entscheidungen vorbereiten oder ausführen. Dadurch entstehen nicht nur neue Chancen, sondern auch neue Anforderungen an Qualitätssicherung, Berechtigungen, Verantwortung und digitale Souveränität.“
Cybersicherheit als politische und unternehmerische Verantwortung
Weitere Beiträge zeigen, warum Cybersicherheit nicht nur eine technische, sondern auch eine politische, rechtliche und organisatorische Aufgabe ist. Im Mittelpunkt stehen klare Zuständigkeiten, Cybersicherheit als Leitungsaufgabe, mögliche Bußgeld- und Strafbarkeitsrisiken sowie praktische Erfahrungen mit der Umsetzung von NIS-2 und Cyber Resilience Act.
Digitale Souveränität und praktische Umsetzung
Den zweiten Veranstaltungstag eröffnet Matthias Muhlert, Group Chief Information Security Officer der Oetker-Gruppe, mit der englischsprachigen Keynote „Rethinking Cybersecurity – A Blueprint for Europe’s Digital Future“. Im Mittelpunkt stehen eine menschenzentrierte Sicherheitsstrategie, gemeinsame Verantwortung und die Frage, wie Europa digitale Souveränität, Innovation und Cybersicherheit stärker miteinander verbinden kann.
In fünf interaktiven Workshops beschäftigen sich die Teilnehmenden zudem mit IT-Sicherheitskultur im Kontext von NIS-2, der CRA-Risikobeurteilung nach DIN EN 40000, der praktischen Analyse von TLS-Verbindungen, einem Vorgehensmodell für NIS-2-Umsetzungsprojekte sowie der schrittweisen Erstellung eines IT-Notfallplans zur Vorbereitung auf Cyberangriffe und technische Störungen.
Unterstützt wird die Veranstaltung durch InnoZent OWL e.V., den Kreis Paderborn, die Regionalgruppe OWL/Lippe der Gesellschaft für Informatik e. V. und die heise academy.