Ob im Sportunterricht, auf dem Pausenhof oder in der Ganztagsbetreuung: Kopfverletzungen können im schulischen Alltag überall auftreten. Ein Forschungsteam des Sportmedizinischen Instituts der Universität Paderborn untersucht deshalb gemeinsam mit der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen und in Kooperation mit der Bezirksregierung Detmold das Auftreten und die Folgen von „Concussions“, auch häufig als Gehirnerschütterungen bezeichnet, im schulischen Kontext im Kreis Paderborn. Zum „Concussion Awareness Day“, der dieses Jahr auf den 18. September fällt, macht das Projektteam auf seine aktuelle Studie aufmerksam.
Unsichtbares Risiko
Eine Concussion ist die leichteste Form eines leichten Schädel-Hirn-Traumas. Sie kann beispielsweise durch Stürze, Zusammenstöße oder Schläge auf den Kopf entstehen. Auch wenn die Verletzung auf den ersten Blick oft unauffällig erscheint, kann sie kurz- und mittelfristige Auswirkungen auf viele Funktionen des Körpers haben. Ein adäquates Management, zum Beispiel bei der Rückkehr in den Alltag, in die Schule und in den Sport, ist für eine folgenlose Ausheilung besonders wichtig.
„Eine Concussion ist meist nicht unmittelbar sichtbar, kann aber erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben. Umso wichtiger ist es, dass Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen die Verletzung erkennen und wissen, wie eine sichere Rückkehr in Schule und Sport gelingt. Mit ‚concussion@school‘ am Standort Paderborn wollen wir dafür eine wissenschaftliche Grundlage schaffen und den Umgang mit Concussions an Schulen in der Region verbessern“, erklärt Prof. Dr. Dr. Claus Reinsberger, Leiter des Sportmedizinischen Instituts an der Universität Paderborn
Studienteilnehmer*innen gesucht
Mithilfe einer Studie möchte die Arbeitsgruppe zunächst mehr darüber erfahren, wie häufig Concussions im schulischen Umfeld auftreten, unter welchen Umständen sie entstehen und welche Folgen sie für betroffene Schüler*innen haben. Ziel ist es, die Versorgung und den Umgang mit der Verletzung – insbesondere bei der Rückkehr in Schule und Sport – langfristig zu verbessern. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem dazu beitragen, geeignete Konzepte für den Umgang mit Schädel-Hirn-Traumata in der Schule zu entwickeln und mögliche Folgeschäden zu vermeiden.
Zentraler Bestandteil ist die systematische Erfassung schulassoziierter Concussions aller Schulen im Kreis Paderborn. Mithilfe von Fragebögen werden unter anderem Informationen zur Häufigkeit, zu Ursachen und Verletzungsmechanismen sowie zur medizinischen Versorgung erhoben. Ergänzend werden die Auswirkungen der Verletzung untersucht. An der Studie können alle Schüler*innen mit diagnostizierter Concussion teilnehmen – von der Grundschule über weiterführende Schulen bis hin zu Berufsschulen. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Interessierte unter: go.upb.de/concussionatschool
Wissen über Concussions stärken
Neben der wissenschaftlichen Untersuchung ist es den Projektverantwortlichen ein wichtiges Anliegen, das Bewusstsein für Concussions zu stärken und wissenschaftliche Erkenntnisse in die schulische Praxis zu übertragen. In Zusammenarbeit mit der brain@sports Foundation sind dabei unter anderem Informationsangebote bei Fachtagungen und Schulsportwettkämpfen sowie Weiterbildungseinheiten für Lehrkräfte geplant. Zudem ist angestrebt, den Umgang mit Concussions stärker in der Ausbildung von Sporthelfer*innen sowie im Schulsanitätsdienst zu verankern. Eine Broschüre mit praxisnahen Informationen und konkreten Handlungsempfehlungen bei Concussions im schulischen Umfeld soll zeitnah veröffentlicht werden, um Lehrkräften konkrete Orientierung für den Umgang mit betroffenen Schüler*innen zu geben.