Schon die Zwischenbilanz der unabhängigen und durch das Erzbistum Paderborn geförderten Studie „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941–2002)“, die Wissenschaftlerinnen der Universität Paderborn seit Anfang 2020 durchführen, hat gezeigt: Kirche und Gesellschaft haben bei Missbrauch systematisch weggesehen und Straftaten in mehreren Fällen billigend in Kauf genommen. Beschuldigte Kleriker wurden nur selten sanktioniert, Mitgefühl für die Betroffenen gab es kaum. Für ihre auf fünf Jahre angelegte Studie haben Prof. Dr. Nicole Priesching und Dr. des. Christine Hartig umfangreiches Material gesichtet und Interviews mit Zeitzeug*innen sowie Betroffenen geführt.
Als kirchenhistorische Untersuchung fragt diese Studie, unter welchen Bedingungen Priester sexuelle Gewalt ausüben konnten, welche Handlungsprämissen für Verantwortungsträger des Erzbistums im Umgang mit beschuldigten Priestern und Betroffenen leitend waren, welche Erfahrungen Betroffene sexueller Gewalt in ihrem unmittelbaren Umfeld machten und welche Faktoren schließlich zu Veränderungen führten.
Die Ergebnisse werden am Donnerstag, 12. März, von 15 bis 17 Uhr in Raum Q0.101 der Universität Paderborn präsentiert. Nach einleitenden Worten von Universitätspräsident Prof. Dr. Matthias Bauer stellt Prof. Dr. Nicole Priesching, Projektleiterin und Wissenschaftlerin am Institut für Katholische Theologie der Universität, die Ergebnisse vor. Anschließend ordnet Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn, die Studie ein. Anmeldungen sind bis zum 27. Februar via E-Mail an Madita Schmalenstroer möglich (madita.schmalenstroer@zv.upb.de).