UPB-Alumna Giulia Bahlow wurde in Italien geboren und zog im Kindergartenalter nach Deutschland in den Kreis Höxter. 2014 begann sie ihren Zwei-Fach-Bachelor Germanistische Sprachwissenschaft und Deutschsprachige Literaturen und schloss nach dem erfolgreichen Abschluss ihren Master Germanistische Literaturwissenschaft an. Während des Schreibens ihrer Masterarbeit steht sie unerwartet vor großen Herausforderungen: Sie entscheidet sich, die Abschlussarbeit abzubrechen und das Studium zu pausieren.
Rückblickend erkennt sie, dass nicht immer alles nach Plan verlaufen muss. Im Interview erzählt sie, was ihr geholfen hat, den Master im zweiten Anlauf erfolgreich abzuschließen. Heute arbeitet sie als Quereinsteigerin beim Integrationszentrum des Hochsauerlandkreises und bringt dort nicht nur ihr Fachwissen, sondern auch wertvolle Erfahrungen aus ihrer Biografie und ihrem Studium ein.
„Jede Station im Leben oder Studium gehört auf die ‚Haben-Seite‘ – selbst wenn sie sich später als Umweg herausstellt. Nichts ist umsonst.“
Giulia Bahlow hat sich nach dem erfolgreichen Abi und einem einsemestrigen Abstecher in die Biologie für ein Studium entschieden, das ihren Talenten entsprach – die Sprach- und Literaturwissenschaften. Paderborn als Studienort war für sie als Familienmensch ein guter Kompromiss: Während des Bachelors pendelte sie noch aus ihrer Heimat im Kreis Höxter zur Uni, im Master zog sie nach Paderborn – immer noch nah genug für spontane Besuche zu Hause.
Zum Ende ihres Bachelorstudiums arbeitet sie zunächst als studentische, später im Master als wissenschaftliche Hilfskraft für eine Dozentin – eine Erfahrung, die ihre Sicht auf das Studium veränderte: „Als Studentin ist man ja eher in einer konsumierenden Haltung und bekommt Input aus Seminaren und Vorlesungen. Mein Job ermöglichte mir einen Blick hinter die ‚Kulissen‘. Ich habe unter anderem gesehen, wie viel Arbeit in die Vorbereitung von Veranstaltungen geflossen ist. Damals habe ich mein Studium auf eine ganz neue Weise zu schätzen gelernt.“
Chancen nutzen: Nach der Studienpause zum erfolgreichen Master-Abschluss und Jobeinstieg
Während sie 2020 ihre Masterarbeit schrieb, spielte sie sogar mit dem Gedanken zu promovieren. Doch dann kam alles anders und sie musste sich neu sortieren: „Letztendlich war es eine Mischung aus hohem Leistungsanspruch, mehreren Nebenjobs und der zusätzlichen Belastung durch die Pandemie.“ Nach langem Ringen entschied sich die Ehemalige, ihre fast fertige Masterarbeit nicht abzugeben. „Ich hatte eine innere Blockade und kam einfach nicht weiter.“ Ihre Professor*innen zeigten dafür Verständnis, konnten aber nicht helfen. Hinzu kam: „Die Entscheidung, die Masterarbeit nicht abzugeben hat zwar erst einmal den Druck rausgenommen, war aber keine echte Lösung.“
„Mein Rat an Studierende in schwierigen Situationen: Sucht das Gespräch mit euren Dozent*innen und sprecht ehrlich über Probleme. Natürlich lief in meinem Studium nicht alles perfekt. Aber in den Momenten, die wirklich zählten, habe ich viel Verständnis erfahren.“
In dieser Zeit erwies sich ein Kontakt zum Diözesanmuseum Paderborn, den sie während ihrer Praxisphase im Masterstudium geknüpft hatte, als wertvoll: „Das Team suchte Unterstützung bei der Katalogisierung einer Fachbibliothek – eine Aufgabe, die mir viel Sicherheit gab.“
Später erfuhr die Alumna über Bekannte von einer Stellenausschreibung für das Integrationszentrum des Hochsauerlandkreises. „Ich hatte nichts zu verlieren. Obwohl ich mir nicht sicher war, ob mein Profil als Quereinsteigerin passt, wollte ich die Chance nutzen – und habe mich, etwas nervös, aber erfolgreich beworben.“ Gleichzeitig entschied sie sich, einen zweiten Versuch mit ihrer Masterarbeit zu starten – parallel zum intensiven Jobeinstieg. Im Sommer 2022 reichte sie die Arbeit ein und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab.
Heute arbeitet Giulia Bahlow im Integrationszentrum des Hochsauerlandkreises in einem multiprofessionellen Team. Ihre Tätigkeit ist ein Mix aus Beratung und klassischer Sachbearbeitung. Sie fördert und unterstützt ehrenamtliche Initiativen und Vereine, die Integrationsprojekte für zugewanderte Menschen umsetzen, prüft Förderanträge und übernimmt redaktionelle Aufgaben, wie die Erstellung von öffentlichkeitswirksamen Texten. Dabei kommen ihr sowohl ihre Biografie als Deutsch-Italienerin als auch ihr kulturwissenschaftliches Studium zugute: Es hat sie nicht nur für die eigene Kultur sensibilisiert, sondern auch ihr Verständnis für kulturelle Konzepte erweitert. Für ihre Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen sind für sie insbesondere Offenheit, Akzeptanz und Respekt essenziell.
„Am Ende des Studiums hat man schon einmal Existenzängste. Es gibt ja auch die Erwartung, direkt einen besonders guten Job zu finden. Doch man sollte sich nicht zu sehr unter Druck setzen – letztendlich gibt es immer einen Plan B.“
Von der Uni hätte sich Giulia Bahlow mehr Unterstützung bei der beruflichen Orientierung gewünscht, etwa durch Veranstaltungsreihen, bei denen sich Geisteswissenschaftler*innen und Unternehmen vernetzen können, um berufliche Optionen für Quereinsteiger*innen zu erkunden.
Für Studierende hat die Ehemalige eine Reihe von Tipps für schwierige Studienphasen und den Berufseinstieg:
- Unterstützung nutzen: Wenn es im Studium mal nicht rund läuft, helfen Uni-Angebote wie Workshops zu Zeitmanagement, Beratungen bei Studienzweifeln oder psychosozialen Problemen und viele mehr.
- Über die Zukunft sprechen: Gespräche mit Freund*innen, Familie, Dozent*innen oder im Praktikum eröffnen neue Perspektiven, ungeahnte Job-Möglichkeiten und manchmal auch die Erkenntnis, welche Jobs wirklich passen – oder eben auch nicht.
- Berufliche Netzwerke aufbauen und Eigeninitiative zeigen: Praxisphasen im Studium gezielt nutzen, um Kontakte zu knüpfen und im Bewerbungsprozess – bei Bedarf – den persönlichen Kontakt suchen.
- Regelstudienzeit ist nicht alles: Lieber gezielt Seminare wählen, die einen weiterbringen, statt nur möglichst viele abzuhaken.
Für die Ehemalige sind darüber hinaus Selbstfürsorge, realistische Erwartungen an sich selbst und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern oder Rückschlägen entscheidend für ein erfolgreiches Studium: Man muss nicht perfekt sein oder ständig 100 Prozent geben – auch mit weniger kann man viel erreichen.
Das Interview wurde im November 2024 geführt.
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