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Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

| Mitteilung

„Digital Humanities“ studieren: Student Dennis Friedl über das neue Fach im Masterstudiengang „Kultur und Gesellschaft“

An der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn gibt es seit dem Wintersemester 2014/15 den Master-Studiengang „Kultur und Gesellschaft“. In diesem theoriegeleiteten, interdisziplinären Studiengang können Studierende zwei Studienfächer miteinander kombinieren. So entstehen spannende Kombinationen wie Erziehungswissenschaft und Philosophie, Englische Sprachwissenschaft und Gender Studies oder Geschichte und Medienwissenschaften. Interdisziplinäre Forschungsthemen werden aus verschiedenen Perspektiven und Disziplinen beleuchtet und werfen spannende Fragestellungen auf.  Seit diesem Wintersemester gibt es zwei neue Fächer: Musikwissenschaft und Digital Humanities. Student Dennis Friedl, einer der ersten Studierenden des Studiengangs Digital Humanities, im Interview.

Dennis, Du hast Dich dieses Semester als einer der ersten Studierenden für Digital Humanities eingeschrieben. Was hast Du bisher studiert? 
 

Ich habe meinen Bachelor noch für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen mit den Fächern Geschichte und Deutsch abgeschlossen. Im Laufe des Studiums merkte ich dann jedoch, dass ich mein zukünftiges Berufsleben viel lieber mit der wissenschaftlichen Beschäftigung mit meinen Fächern verbringen würde, und glaube auch, dass dort meine Kompetenzen liegen. 

Digital Humanities bedeutet so viel wie „digitale Geisteswissenschaft“. An der Universität Paderborn arbeiten für diesen Studiengang die Fachdisziplinen Informatik und Kulturwissenschaften zusammen und behandeln spannende Fragestellungen. Zum Beispiel werden im Zentrum Musik - Edition - Medien gemeinsam Arbeitsabläufe der täglichen Editions- und Redaktionspraxis optimiert, unter anderem durch neue Visualisierungsverfahren oder Datenformate. Warum möchtest Du gerne Digital Humanities studieren, was findest Du an diesem Fach besonders spannend?  
 
Ein Reiz ist sicherlich die Interdisziplinarität, die schon angesprochen wurde. Diese findet dabei sowohl zwischen Fächern statt, die vermeintlich nicht viele Gemeinsamkeiten aufweisen, wie technischen und geisteswissenschaftlichen Fächern, als auch innerhalb der Geisteswissenschaften selbst, wo plötzlich verschiedene Interessen aus unterschiedlichen Fachrichtungen aufeinandertreffen. Das kann zu spannenden Kooperationen und Austauschprozessen führen, die sonst nicht zustande gekommen wären. Auch befriedigt, zumindest bei mir, die Beschäftigung mit Informationstechnologie ein Bedürfnis, das mit den Geisteswissenschaften, in denen wir ja hauptsächlich Quellen analysieren, interpretieren und Texte verfassen, nicht immer ganz gestillt werden kann: das Bedürfnis, etwa durch das Programmieren Dinge nach den eigenen Vorstellungen zu erschaffen und ihre Funktionalität unmittelbar ablesen zu können. Zuletzt möchte ich noch anmerken, dass die Digital Humanities im Vergleich zu anderen Fächern eine noch recht junge Disziplin sind, besonders in Deutschland. Es kann also besonders spannend sein, sich in diesem „Wilden Westen“ zu bewegen und den weiteren Verlauf der Disziplin selbst zu beeinflussen. 

In Deinen Augen: Was können wir aus der Digital Humanities-Forschung lernen? Wo findet sie in unserer Gesellschaft besondere Bedeutung?  
 
Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, denn die Digital Humanities sind immer an eine oder mehrere Disziplinen aus den Geisteswissenschaften gebunden und liefern alleinstehend keine Erkenntnisse. Vielmehr ergänzen sie die traditionellen Fächer mit digitalen Methoden, unterstützen diese in ihrem Forschungsinteresse oder ermöglichen sogar erst ganz neue Fragestellungen. Demnach findet die Forschung der Digital Humanities in unserer Gesellschaft überall da Bedeutung, wo auch sonstige geisteswissenschaftliche Erkenntnisse für uns relevant sind. 

Mit welchem anderen Fach möchtest Du Digital Humanities im Master „Kultur und Gesellschaft“ kombinieren?  
 
Ich werde die Digital Humanities mit meinem anderen großen Interessenfeld, der Geschichtswissenschaft, kombinieren.

Was reizt Dich an der Kombination dieser Fächer?  
 
In der Geschichtswissenschaft hat mich schon immer die Arbeit mit alten und mitunter für uns völlig fremdartigen Quellen gereizt. Die Digital Humanities können diese Arbeit mit vielen Ansätzen und Tools unterstützen; das Angebot reicht dabei von der computergestützten Auswertung von großen Textkorpora oder der qualitativen Inhaltsanalyse bis hin zu der sinnvollen Verknüpfung und Visualisierung von riesigen Datenmengen. Auch traditionsreiche Disziplinen wie die Geschichtswissenschaft können durch den technischen Wandel profitieren, doch damit das funktionieren kann, halte ich es für wichtig, sich nicht zu sehr von fachfremden Informatikern abhängig zu machen. Als Historiker legt man viel Wert auf den kritischen Umgang mit Quellen und ihre kritische Bewertung und so braucht es Fachleute, die sich in beiden Welten bewegen können; die sowohl das technische Know-how mitbringen als auch durch ihre wissenschaftliche Ausbildung wissen, mit welchen Methoden die Geschichtswissenschaft arbeitet und welche Fragen sie antreibt. 

Weißt Du schon, in welchem Bereich Du nach deinem Master gerne arbeiten würdest?  
 
Nach meinem Master würde ich gerne weiter meinem Interesse an der frühneuzeitlichen Geschichte nachgehen und in diesem Bereich auch, wenn möglich, promovieren. Ich bin zuversichtlich, dass mich die Digital Humanities dabei und mein ganzes sonstiges Berufsleben lang begleiten werden. In diesem Sinne blicke ich gespannt auf die weitere Entwicklung der Disziplin in den nächsten Jahren und Jahrzehnten und freu mich, ein Teil davon zu sein. 

Und eine letzte Frage noch: Warum Paderborn? Was gefällt Dir an unserer Uni und der Stadt besonders gut?  
 
Gerade für Studieninteressierte der Digital Humanities halte ich Paderborn für eine gute Wahl, da sie an einer praktischen Campusuni studieren können, die einen starken Fokus auf die Informatik vertritt. Doch auch sonst hat Paderborn seine Vorzüge, so kann man etwa nach der Uni gerade bei dem heißen Wetter an den Paderwiesen entspannen.

Interview und Text: Leonie Oberheuser

Die Universität der Informationsgesellschaft