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Schnee auf dem Campus. Bildinformationen anzeigen

Schnee auf dem Campus.

Foto: Universität Paderborn, Johannes Pauly

| Mitteilung ZeKK

Pionierinnen islamischer Theologie gewürdigt – Akademischer Festakt am 31. Oktober zu Ehren der Promotionen von Tuba Işık und Muna Tatari

Neben Freunden, Familie und Kollegen hatten sich viele Prominente der Stadt und der Universität Paderborn am vergangenen Donnerstag in Hörsaal O2 versammelt, um Muna Tatari und Tuba Işık, Promovendinnen in muslimischer Theologie und Religionspädagogik, zu würdigen. Weder der Präsident der Universität, Prof. Dr. Nikolaus Risch, noch der Bürgermeister der Stadt, Heinz Paus, ließen es sich nehmen, die Theologinnen für ihre hervorragenden Leistungen zu beglückwünschen und auch dem ZeKK (Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften) mit seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Klaus von Stosch zu diesen „Pionierinnen Komparativer Theologie in Europa“ zu gratulieren. Emin Özel, Vorsitzender der Schura Paderborn, machte in seiner Ansprache auch die Unterstützung der muslimischen Gemeinschaft in Paderborn deutlich und prophezeite „The first cut ist the deepest. Paderborn ist mit diesen beiden Theologinnen auf einem guten Weg, zu einem Mekka Komparativer Theologie zu werden.“ Besonders gedankt wurde dabei auch für die finanzielle Unterstützung der Stiftung Mercator, deren Repräsentantin Dr. Cornelia Schu betonte, dass die Stiftung in Işık und Tatari Vorreiterinnen islamischer Theologie gesehen habe, die mit ihrer Forschung und Lehre einen wichtigen Beitrag für die Ermöglichung gleicher Chancen für alle Mitglieder unserer Gesellschaft leisten können.

Gleiche Chancen, eine gerechte Gesellschaft – dies sind Themen, die auch für den international renommierten südafrikanischen Befreiungstheologen Prof. Dr. Farid Esack in seiner Theologie, aber auch in seinem politischen Wirken in Südafrika zentral sind. Als Freund des Zentrums und Betreuer der Dissertation von Muna Tatari hielt er den Festvortrag an diesem besonderen Tag. Er betonte die Chancen, aber auch die Gefahren, die der Aufbruch in eine neue Form wissenschaftlich betriebener islamischer Theologie und ihre Etablierung an den Universitäten mit sich bringen. Es komme darauf an, die vielfältigen Einflussnahmen und politischen Interessen, die mit der strukturellen Verankerung des Islam in Deutschland zusammenhängen, aufzudecken, damit der Wandel zu einer neuen pluralistischen Gesellschaft, an der die Muslime nicht nur anteilhaben, sondern auch mitgestalten, weiter gelingen kann.

Zum Schluss würdigte auch Prof. Dr. Klaus von Stosch, Vorsitzender des ZeKK und Betreuer beider Dissertationen von Seiten Komparativer Theologie, noch einmal die hervorragenden Arbeiten der Promovendinnen. Auf ihre je ganz eigene Weise hätten sich die beiden muslimischen Theologinnen intensiv mit fachwissenschaftlichen Diskursen auseinandergesetzt und von ihnen gelernt, sie aber nicht übernommen, sondern etwas ganz neues Eigenes daraus geschaffen – einen neuen eigenen Weg, der sich auch durch den Perspektivwechsel und das Hineingehen in fremde christliche Denkweisen auszeichnet. „Muna Tatari und Tuba Isik haben mit ihren innovativen Arbeiten gezeigt, dass Muslime in Deutschland nicht nur mitfahren im Auto der Gesellschaft, sondern etwas Entscheidendes beizutragen haben.“

Die gebürtige Mainzerin Dr. des.Tuba Işɪk studierte Pädagogik und Rechtswissenschaften an der Georg August Universität Göttingen und absolvierte zudem den Weiterbildungsstudiengang „Islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache“ an der Universität Osnabrück. Neben zahlreichen Auslandsaufenthalten u. a. in der Türkei, in Ägypten und in Indonesien engagiert sie sich in der Islamkonferenz der Bundesregierung und im Beirat zum Islamischen Religionsunterrichts des Landes NRW. Seit dem Sommersemester 2010 ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZeKK beschäftigt. In ihrer Promotion widmete sie sich dem Thema „Muhammad als Gesandter Gottes im Islamischen Religionsunterricht“. Die Arbeit wurde betreut von Prof. Dr. Klaus von Stosch und Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (Universität Münster).

Dr. des. Muna Tatari, geboren in Hamburg, studierte Islamwissenschaft, Erziehungswissenschaft sowie Missions-, Ökumene- und Religionswissenschaften an der Universität Hamburg. Des weiteren absolvierte sie ein Arabischstudium am Sprachzentrum der Universität Amman in Jordanien und das Grundstudium Islam der Initiative für Islamische Studien in Hamburg. Seit vielen Jahren ist sie engagiert als Bildungsreferentin im interreligiösen Dialog und arbeitet seit dem Sommersemester 2010 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZeKK. Ihre Promotion beschäftigte sich mit der Fragestellung "Gott und Mensch im Spannungsfeld von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Versuch einer Positionsbestimmung". Die Arbeit wurde betreut durch Prof Dr. Farid Esack (Universität Johannesburg) und Prof. Dr. Klaus von Stosch.
 

ZeKK, Ann-Christin Baumann

Die Universität der Informationsgesellschaft