Forschung trifft Praxis: CoLab & Hackathon zu „Frugal Innovations in Food Production and Green Transition“
Vom 07. bis 09. Juli 2026 fand an der Universität Paderborn im Rahmen der Europäischen Hochschulallianz COLOURS ein transdisziplinärer Austausch zu nachhaltigen Lösungen für den Lebensmittelsektor statt. Studierende und Forschende der COLOURS-Partneruniversitäten aus Schweden, Italien und Polen sowie regionale Food-Initiativen und Organisationen arbeiteten gemeinsam an Lösungen für die "Grüne Wende" im Lebensmittelsektor.
Die Veranstaltung fand im Gründungszentrum der Universität Paderborn, der Garage33 im Zukunftsquartier statt und brachte Teilnehmer*innen aus verschiedenen Disziplinen und Ländern zusammen. Im Fokus stand die Frage, wie Innovationen im Bereich der Lebensmittelproduktion frugal, d.h. ressourceneffizient und mit wenig Aufwand, gestaltet werden können. Die Veranstaltung adressierte dabei u.a. Fragen der Gesundheit, des verantwortungsvollen Konsums und des Klimaschutzes.
Kollaboration über Ländergrenzen hinweg
Das Eventformat aus CoLab und Hackathon zeichnet sich durch seine internationale Ausrichtung aus. Etwa 30 Teilnehmende - darunter Studierende und Forschende sowie Vertreter*innen aus der Lebensmittelbranche und aus Initiativen, bildeten ein internationales, transdisziplinäres Netzwerk. Vertreter*innen von der Högskolan Kristianstad (HKR) in Schweden, der Universität Ferrara (UNIFE) in Italien sowie der Jan-Długosz-Universität (Polen) waren vor Ort in Paderborn, um sich zu dem Thema zu vernetzen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer Keynote von Britta Schattenberg von der TH OWL zum Thema ”Frugal Innovation and the Future of Food Startups”. Bei der anschließenden Paneldiskussion wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und diskutiert: Wer entscheidet, was auf unseren Tellern landet? Durch welche Faktoren werden unsere Entscheidungen für eine gesunde Ernährung beeinflusst? Welche Rolle spielen z.B. Convenience, Carearbeit und Behavioral Design für unsere täglichen Ernährungsentscheidungen? Wie kann unsere Ernährung das Klima schützen? Wie erfahren Menschen, wie sie bei der Wahl von Lebensmitteln nachhaltig Handeln können?
Forschende, Start ups und Initiativen für die Regionen
Gabi Börries (Universität Paderborn) wies auf den Zusammenhang zwischen Carearbeit und Ernährung hin, der sich in der oft unsichtbaren Arbeit des gesunden Kochens verbirgt. Jens Hultmann (HKR Sweden) zeigte, welche psychologischen Mechanismen beim Lebensmitteleinkauf adressiert werden und wie sie sich in unseren Kaufentscheidungen niederschlagen. Maximilian Teubert (OIKOS Paderborn) veranschaulichte den Zusammenhang zwischen Essgewohneiten und Bildung und wie gesunde Ernährungsentscheidungen durch Aufklärung und Wissen gefördert werden können.
Das Panel zeigte zudem, dass regionale Lebensmittelsysteme mehr sind als analoge Alternativen zu globalen Versorgungsketten. Sie leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelunabhängigkeit, sondern stärken die regionale Identität, fördern sozialen Zusammenhalt und haben einen direkten lokalen Nutzen. Konkrete Beispiele hierfür lieferten Rainer Pusch von der Padergrün mit einer politischen Perspektive auf die Rahmenbedingungen lokaler Lebensmittelproduktion sowie Davina Stiller von der Solidarische Landwirtschaft Vauß-Hof eG, die den Mehrwert gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft für Regionen veranschaulichte.
Unter dem Titel “From niche to game-changer" wurden internationale StartUps und Initiativen präsentiert. Julia Lakirdakis-Stefanou präsentierte zusammen mit ihrem Greichischen Geschäftspartner Evangelos Krysafoudis ihr Pangaea Olivenöl sowie die Agriston Ölmühle, in der die Oliven verarbeitet werden. Anton Ballmair zeigte als Vertreter des Foodsharing Münster wie Gemeinschaft als Lebensmittelretter fungieren kann. Das StartUp Crab Control aus Ferrara stellte seine Lösung zur Überführung der invasiven Blaukrabbe an Italiens Küsten in die regionale Gastronomie vor.
Herausforderungen aus der Region OWL
Der Austausch diente weniger der schnellen Lösungsbereitstellung, sondern vielmehr der theoretischen Fundierung und der Entwicklung von Szenarien für die Transformation des Ernährungssystems im regionalen Kontext der Region OWL. Ein Kernbestandteil des Hackathons war die Auseinandersetzung mit konkreten Problemstellungen regionaler Akteur*innen. In den angeleiteten Workshops brachten die Teilnehmenden die theoretischen Ansätze der Paneldiskussion mit den realen Anforderungen lokaler Organisationen zusammen. Zwei Organisationen aus der Region OWL stellten ihre aktuellen Herausforderungen vor:
Die gemeinnützige Genossenschaft SoLawi Vauß-Hof in Salzkotten-Scharmede versorgt wöchentlich 120 Familien mit regionalem Gemüse aus ökologischem Anbau, engagiert sich im Klima- und Umweltschutz und arbeitet überwiegend ehrenamtlich. Die Herausforderung bestand darin, Konzepte zur Mitgliedergewinnung und zur langfristigen Stabilisierung der Genossenschaft zu entwickeln.
Als eigener Produzent und regionaler Importeur, der sich auf fairen Handel im Olivenöl-Sektor spezialisiert hat, steht Pangaea Olivenöl für nachhaltigen Konsum im Einzelhandel und in der Gastronomie. Die Aufgabe bestand darin, Strategien zur effektiveren Kommunikation und Marktpositionierung zu erarbeiten.
Von der lokalen gemeinschaftsgetragenen Genossenschaft (SoLawi) bis zur in OWL verankerten internationalen Wertschöpfungskette von Pangaea Olivenöl zeigte die Veranstaltung nicht nur die Bandbreite des bearbeiteten Themas, sondern auch den Ideenreichtum vielfältiger Lösungsansätze.
Das Gründungsökosystem OWL
Im Rahmen der Veranstaltung konnten Teilnehmende das Gründungsökosystem OWL für den Food-Bereich kennenlernen. Neben einer Vorstellung der Veranstaltungen und Angebote der Garage33, dem Gründungszentrum an der Universität Paderborn, stand am 9. Juli eine Exkursion zum Tomorrow Eats-Festival auf dem Campus der TH OWL in Lemgo an. Dort bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, mit lokalen Lebensmittel-Start-ups in Kontakt zu kommen und die Arbeit der Campus Foundery OWL kennenzulernen.
Bei der Field Study zur Tomorrow Eats konnten aktuelle Trends und Marktentwicklungen entdeckt und die theoretischen Diskurse, die Herausforderungen der regionalen Lebensmittelorganisationen sowie die im Hackathon entwickelten Lösungsansätze mit bestehenden Best-Practices aus der Gründungs- und StartUp-Szene verglichen werden.
CoLabs und Hackathons an der Universität Paderborn
Das Veranstaltungsformat aus CoLab und Hackathon zur Vernetzung regionaler Unternehmen und Initiativen mit internationalen Forschenden aus der europäischen Hochschulallianz COLOURS findet zweimal jährlich an der Universität Paderborn statt. Die nächste Veranstaltung wird im Herbst 2026 an der UPB stattfinden und erarbeitet Lösungen für nachhaltiges Wohnen für Studierende und andere Zielgruppen. Die Teilnahme steht allen Personen nach Anmeldung offen. Interessierte können sich bei Dr. Christine Hante-Koch (cmhk@mail.uni-paderborn.de) oder Dr. Alena Diedrich (alena.diedrich@uni-paderborn.de) melden.