Da­ten­bank

INGRID nimmt Graffiti-Foto-Bestände von Behörden, von öffentlichen Einrichtungen, aus Forschungsprojekten und von Privatpersonen in die Datenbank auf. Ältere analoge Bestände werden zuvor nach den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft digitalisiert.

Die Datenbank soll kontinuierlich erweitert werden. Wer über größere Bestände an Graffiti-Aufnahmen verfügt und sie der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung stellen möchte, kann sich mit den Projektverantwortlichen in Verbindung setzen. Mit INGRID ist die dauerhafte wissenschaftliche Nutzung der Fotos gewährleistet.

Be­stand

Gegenwärtig umfasst INGRID ca. 150.000 Bilder aus verschiedenen Sammlungen. Davon sind aktuell 99.962 (Stand Juli 2023) durch vollständige Basis- und/oder Tiefenannotation erschlossen und für die wissenschaftliche Nutzung freigegeben.

Dabei handelt es sich zum einen um zwei Sammlungen, die in der ersten Projektphase (2016 bis 2019) erschlossen wurden. Dies sind die Graffiti-Aufnahmen der Polizei Mannheim aus den Jahren 1998 bis 2014 und die Sammlung des Volkskundlers und Graffiti-Forschers Dr. Peter Kreuzer aus dem Stadtarchiv München, die aus den 80er-Jahren stammt. Enthalten sind zum anderen die Sammlungen der Polizei Köln, der Koordinierungsgruppe Graffiti München und des Galeristen Dirk Kreckel, die in der zweiten Projektphase (2020-2023) bearbeitet wurden. Zugänglich sind alle bereits bearbeiteten Bilder dieser Sammlungen auf tagesaktuellem Stand. 

INGRID verfolgt ausschließlich wissenschaftliche Interessen und nimmt nur solche Graffiti-Bildbestände auf, deren wissenschaftliche Nutzung rechtlich unbedenklich ist. INGRID erfasst keine personenbezogenen Daten. Rückschlüsse auf reale Personen sind mit der Datenbank nicht möglich. Erfasst werden die Bestandszugehörigkeit des Fotos, das Aufnahmedatum, der Aufnahmeort und das Pseudonym des Sprühers, sofern es auf dem Foto erkennbar und lesbar ist. Darüber hinaus konzentriert sich die Erfassung auf die Beschreibung des Graffitis in seiner Umgebung, wie es auf den Fotos sichtbar ist.

Die Bilder (Lizenz: CC BY-SA) und die annotierten Metadaten (Lizenz: CC) in INGRID können unter der angegebenen Lizenz für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden.

On­to­lo­gie

Dem interdisziplinären Ansatz von INGRID entsprechend werden neben allgemeinen Informationen (Objekttyp, Akteur, Ort, Datum/Datierung, Technik, Inhalt) auch die schriftsprachlichen und bildlichen Eigenschaften des Objekts erfasst. Ebenfalls werden Art und Materialität des Anbringungsortes sowie das Verhältnis des Graffitis zur Umgebung beschrieben. Die Beschreibung zielt darauf, Eigenschaften zu erfassen, die für das Phänomen konstitutiv und in der breiten fachlichen Erschließung relevant sind.

Die Bezeichnungen der Kategorien folgen der sprach- und kunstwissenschaftlichen Terminologie. Bei der Bezeichnung des Graffiti-Typs, des Buchstabenstils und der Stilelemente wird die szeneübliche Terminologie aufgegriffen.

On­to­lo­gie der Da­ten­bank (Er­fas­sungs­ka­te­go­ri­en)

Bildebene

Bei der Annotation werden vier Bildebenen unterschieden: „Foto“, „Graffiti“, „Teilgraffiti“, „Fotostrecke“. Auf der Ebene „Foto“ werden nur die Eigenschaften des Fotos (Aufnahmedatum, Aufnahmeort, Herkunft des Fotos) und alle auf dem Foto lesbaren Graffitis textlich erfasst. Auf der Ebene „Graffiti“ erfolgt die Annotation eines der auf dem Foto erkennbaren Graffitis. Dies ist die zentrale Bildebene. Bei einem mehrteiligen Graffiti, das einen sog. „Comment“ aufweist, wird dieser auf der Ebene „Teilgraffiti“ gesondert annotiert. Dazu wird in der Regel ein Bildausschnitt erzeugt. Zusammengehörende Fotos, die eine ganze Wand oder einen Raum mit mehreren Graffitis dokumentieren, werden zu einer „Fotostrecke“ zusammengefasst. Als Platzhalter für das bildliche Panorama erscheint ein rechteckiges, schwarz-weißes Symbol. Bilder verschiedener Ebenen, die in einer Eltern-Tochter-Relation zueinander stehen, sind in der Datenbank verbunden.

Item

Text des Graffitis, auf das sich die Annotation bezieht (kein Eintrag bei rein figürlichem Graffiti)

Text

Texte aller auf einem Foto erkennbaren Graffitis

Motiv

Bildmotiv bei figürlichem Graffiti: „Frau“, „Mann“, „Kind“, „Fantasiefigur“, „Tier“, „Pflanze“, „Kopf“, „sonstiges Motiv“ ...

Sprüher/Crew

Pseudonym (Szenename) des Sprühers und/oder der Crew, der/die das annotierte Graffiti angefertigt hat

Datierung 

Jahreszahl, die der Sprüher bzw. die Crew selbst am Graffiti angebracht hat

Fundort GPS

GPS-Koordinaten des Aufnahmeorts des Fotos

Fundort Stadt

Aufnahmeort des Fotos (Stadt)

Fundort Straße

Aufnahmeort des Fotos (Straße, ggf. mit Hausnummer)

Fundort Postleitzahl 

Aufnahmeort des Fotos (Postleitzahl)

Technik

Technik, in der das annotierte Graffiti ausgeführt ist: „Sprühdose“, „Farbstift“, „Kreide“, „Säure“ ...

Trägermedium

Objekt, auf das das annotierte Graffiti aufgebracht ist: „Brücke“, „Fallrohr“, „Personenzug“, „Strom-/Verteilerkasten“, „Wand“ ...

Oberfläche

Art der Oberfläche: „Beton“, „Glas“, „Kunststoff“, „Metall“, „Naturstein“, „Ziegel“ ...

Kontext

Verhältnis des annotierten Graffitis zu anderen Graffitis in der unmittelbaren räumlichen Umgebung: „isoliert“ (allein stehend), „aggregiert“ (in einer Menge anderer Graffitis, aber ohne erkennbaren Bezug auf diese), „integriert“ (führt vorhandene Graffitis weiter, bildet mit diesen eine neue, komplexe Einheit), „umgebungsbezogen“ markiert Graffitis, die sich auf Anderes als Graffitis in deren unmittelbarem räumlichen Umfeld beziehen.

Typ 

Typ des annotierten Graffitis: Dies sind in der Szene geläufige Kategorien („Piece/Writing/Style“, „Tag(s)“, „Throw Up“, „Comment“, „Character“, „Stencil“, „Skizze“); Kategorien zur Erfassung weiterer Typen: „Komposition“ (mehrteiliges Graffiti ohne dominantes Element), „Ko-Konstruktion“ (Graffiti, das durch spätere Bearbeitung und spielerische Fortführung von bereits vorhandenen Graffitis durch andere Sprüher entstanden ist), „Spruch/Konzeptaufruf“ (Einzelwörter oder Sprüche).

Thema

thematische Zuordnung des zu beschreibenden Graffitis, z. B. Graffitikultur, Kunst, Musik, Politik ...

Funktion

kommunikative Funktion des annotierten Graffitis: „Beleidigen“, „Drohen“, „Grüßen“, „Widmen“ ...

Sprache

Einzelsprache, in der das annotierte Graffiti geschrieben ist: „de“ (Deutsch), „en“ (Englisch), „ar“ (Arabisch), „ru“ (Russisch), „tr“ (Türkisch) ... ; „Hybridbildung“ (zwei- oder mehrsprachige Form), „Regionalsprache“, „Verfremdung“ (spielerisch verfremdende Schreibweise), „unbestimmt“ (Sprachen nicht bestimmbar) ...

Sprachliche Konstruktion

Konstruktionstypik der annotierten Graffitis; der Kategorisierung liegen teils schematische grammatische Eigenschaften („Abkürzung/Akronym“, „finite Konstruktion“, „infinite Konstruktion“, „verblose Konstruktion“, „Pseudonym“, „Eigenname“, „Künstler-/Objektname“, „Namenauflistung“, „Text“ ...), teils funktionale Eigenschaften zugrunde („Datierungskonstruktion“, „Identitätskonstruktion“, „Lokalisierungskonstruktion“ ...). Erfasst werden zudem (szene-)spezifische lexikogrammatische Muster („to-Konstruktion“, „x-AGAINST/FOR-y-Konstruktion“, „yo-/hi-Konstruktion“ ...).

Enthaltene sprachliche Konstruktionen

Konstruktionstypik von Graffitis, die Einheiten innerhalb eines mehrteiligen Graffitis bilden

Zeichentyp

verwendete(r) Zeichentyp(en) im annotierten Graffiti: „Buchstaben“, „Interpunktionszeichen“, „symbolische Zeichen“, „Zahlzeichen“ ...

Direktionalität

Ausrichtung des annotierten Graffitis auf der Fläche: „horizontal“, „vertikal“, „diagonal“, „sonstige“

Buchstabenstil / Style

Buchstabenstil des annotierten Graffitis nach den in der Szene geläufigen Stilbezeichnungen: „Bubble Style“, „Simple Style“, „Tag Style“, „Wild Style“ ...

Figurenstil

Stil des Motivs: flächig, linear, modellierend

Stilelemente / Design

verwendetes Dekorum nach den in der Szene geläufigen Bezeichnungen: „Arrows“, „Breaks“, „Bubbles“, „Crowns“, „Drips“, „Highlights“, „Quotes“ ...

Farben

verwendete Farben: „Schwarz“, „Weiß“, „Silber“, „Blauton“, „Gelbton“, „Rotton“ ...

Einbettung / Erweiterung

Art der Graffitis, die in das annotierte Graffiti eingebettet sind oder dieses ergänzen: „Comment“, „Gruß“, „Widmung“ ...

Anmerkung

kulturgeschichtliche Anmerkungen der INGRID-Redaktion, die zum Verständnis des annotierten Graffitis beitragen können

Notiz

internes Kommentarfeld für die Bearbeiter

Architektur / Denkmal

bekanntes/bedeutendes Bauwerk, an dem das annotierte Graffiti angebracht ist, etwa „Kölner Dom“, „Berliner Mauer“ ...

Literatur

Graffiti-Literatur, in der das annotierte Graffiti besprochen wird und/oder in der es abgebildet ist

Bestand

Herkunft/Bestandszugehörigkeit des Fotos, z. B. Polizei Mannheim, Sammlung Kreuzer im Stadtarchiv München ...

Aufnahmedatum

Aufnahmedatum des Fotos

Bearbeitungsdatum

Datum der Erfassung/Bearbeitung in INGRID

 

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