FAKT-Pro­jekt­ver­lauf

FAKT-Korpusaufbau

Methodik und Zielsetzung: Die Projektstandorte Heidelberg und Paderborn arbeiten unabhängig am Aufbau ihrer Korpora. 

Dem Projektstandort Paderborn geht es vornehmlich um eine diachrone Erfassung zentraler psychiatrischer Fachtexte aus Lehrbüchern sowie Fachzeitschriften vom 19. bis zum 20. Jahrhundert und 

dem Standort Heidelberg um die diachrone Erfassung zentraler juristischer Fachtexte aus Urteilen sowie Kommentaren vom 19. bis zum 20. Jahrhundert.
 

Ergebnisse Paderborn: Insgesamt hat der Projektstandort Paderborn vier funktional unterschiedliche Korpora aufgebaut und z.T. der wissenschaftlichen community zur Verfügung stellen können.

I) ein Gesamtkorpus (GK), in dem alle Texte erfasst sind und das insg. 8.164.962 Tokens umfasst, 

II) ein in Zusammenarbeit mit textloop zusammengestelltes und digitalisiertes Korpus Psychiatrischer Lehrwerke (Psyleko), das ins DTA sowie DWDS eingepflegt wurde,

III) ein Annotationskorpus (AK), das der explorativen Aufarbeitung charakteristischer Sprachhandlungen in den psychiatrischen Fachtexten diente,

IV) ein Fall-Korpus (FK), das Gutachten zu den Fällen von Johann Christian Woyzeck, Peter Kürten und Fritz Honka umfasst, anhand derer das Zusammenspiel zwischen Psychiatrie und Recht aufgearbeitet wurde.


Ergebnisse Heidelberg: Insgesamt hat der Projektstandort Heidelberg drei funktional unterschiedliche Korpora aufgebaut und z.T. der wissenschaftlichen Community zur Verfügung stellen können.

I) ein Gesamtkorpus (GK), in dem alle Texte erfasst sind und das insg. 12 Mio. umfasst,

II) ein Annotationskorpus (AK), das der explorativen Aufarbeitung charakteristischer Sprachhandlungen in den juristischen Fachtexten diente,

III) ein Fall-Korpus (FK), das Urteile zu den Fällen von Johann Christian Woyzeck, Peter Kürten und Fritz Honka umfasst, anhand derer das Zusammenspiel zwischen Psychiatrie und Recht aufgearbeitet wurde.

 

FAKT-Annotationen

Methodik und Zielsetzung: Die Annotationskorpora (AK) beider Standorte haben in einem ersten Arbeitsschritt Orientierung über textgattungsspezifische Sprachhandlungen gegeben. Sie erlauben eine close-reading-Erfassung der psychiatrischen sowie juristischen Fachtexte durch die Projektmitarbeiter*innen im Analysetool Catma 7.

Ergebnisse: Die Annotation vorbereitend wurde ein Tagset entwickelt und im Annotationsprozess an den Quellentexten geschärft sowie ausdifferenziert. Inzwischen wurden Guidelines der Standorte Paderborn und Heidelberg dazu veröffentlicht, die auch anderen Annotationsprojekten (historischer) Fachtexte nützlich sein können. Zusätzlich wurden die Annotationen auf GitLab der wissenschaftlichen community zur Verfügung gestellt

FAKT-Auswertung: semi-automatische, quantitative Auswertung

Methodik und Zielsetzung: Nach Abschluss der explorativen manuellen Annotation am Annotationskorpus wurden die gewonnenen Ergebnisse durch die Nutzung (halb)automatisierter Quantifizierungen am Gesamtkorpus abgesichert, abgeglichen sowie erweitert.

Ergebnisse: Die so entstandenen Wordembeddings, Kollokations-, Keyword- und N-Gramm-Analysen wurden auf Zenodo (Standort Paderborn) sowie auf dislab (Standort Heidelberg) veröffentlicht und so der wissenschaftlichen community zugänglich gemacht.

FAKT-Auswertung: qualitativ-hermeneutische, fallbezogene Auswertung

Methodik und Zielsetzung: Beide Projektstandorte recherchierten historische Fälle zu antisozialen Persönlichkeitsstörungen. Es wurden nur die Fälle ausgewählt, zu denen psychiatrische (Gutachten) sowie juristische (Gerichtsurteile) Texte akquiriert werden konnten (über Datenbanken, Archivarbeit sowie Quellensammlungen). Insgesamt wurden die Fälle zu Johann Christian Woyzeck, Peter Kürten und Fritz Honka ausgewählt und (nach-)recherchiert und die letzten beiden Fälle für die weitere Auswertung ausgewählt. Auf Basis der Erkenntnisse aus der qualitativen Annotation sowie der quantitativen Korpusauswertung sollten Aufnahme sowie Verarbeitung von Unterbestimmtheit anhand von Begriffen wie Sprachhandlungen in Gutachten und Urteilen sowie unter gegenseitiger Bezugnahmen beider Textgattungen aufeinander erfasst werden. Beide Projektstandorte arbeiteten bei diesem Auswertungsschritt in enger Abstimmung zusammen.

Ergebnisse: Erste Erkenntnisse in die intrafachlichen Konstruktionsprozesse von Gewissheit wie Ungewissheit sowie die interfachlichen Bezugnahmen beider Disziplinen aufeinander wurden im Rahmen eines Vortrags auf dem Abschlussworkshop des Projekts von den Projektmitarbeitern Sven Bloching (Heidelberg) und Friedrich Markewitz (Paderborn) vorgestellt. Geplant ist ein gemeinsamer Aufsatz beider im Sonderheft Unbestimmtheit, Unterbestimmtheit und Ungewissheit als Motoren von Fachkommunikation.

FAKT-Ziele sind

I) ein Sonderheft Unbestimmtheit, Unterbestimmtheit und Ungewissheit als Motoren von Fachkommunikation in der Zeitschrift Fachsprache als Heft 3-4 für den Herbst 2027. Struktur und Inhalt des Sonderheftes wurden schon von den Zeitschriftenherausgeber*innen angenommen.

II) ein Sammelband mit dem (Arbeits-)Titel Begutachten als kommunikative Praktik in und zwischen verschiedenen Fachdisziplinen. Neben klassischen Beiträgen werden darin auch dialogische Formate, basierend auf transkribierten Tonaufnahmen (insg. 11:15h) des Abschlussworkshops, präsentiert. Das Projektteam plant einen eigenen Beitrag Zur interfachlichen Relevanz psychiatrischer Gutachten.

stay tuned