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Foto: Kompetenzzentrum Schreiben, Universität Paderborn

Schreiben in der digitalen Lehre

Tipps und Ideen

 

Wissenschaftliche Texte verstehen: Dem Gaul ins Maul schauen

Wie vermittle ich Studierenden "Wissenschaftlichkeit"? Häufig hören wir die Klage, dass Studierende einfach nicht wissenschaftlich arbeiten können. Ein bewährter Weg zu besseren Studierendentexten ist die Auseinandersetzung damit, wie wissenschaftliche Texte als Texte funktionieren.

Das Sanduhr-Modell: Ein typischer Aufbau wissenschaftlicher Texte

Ein weit verbreiteter Aufbau wissenschaftlicher Texte folgt dem Sanduhr-Prinzip. Die Einleitung beginnt breit, dann fokussiert sich der Inhalt immer stärker hin zur spezifischen Frage- oder Problemstellung des Texts, um dann in der Diskussion oder dem Fazit wieder breit zu werden.

Werfen Sie mit Ihren Studierenden einen Blick auf verschiedene Texte unterschiedlicher Genres in Ihrem Fach. Folgen die Texte dem Sanduhr-Modell? Wenn ja, wie wird dies konkret umgesetzt? Welche Formulierungen sind typisch, um die Fokussierung anzuzeigen, welche um die Erkenntnisse des Texts wieder auszuweiten auf allgemeinere Kontexte? An welchen Stellen im Text, in welchen Kapiteln oder Abschnitten, wird fokussiert und ausgeweitet?

Texte können Sie Ihren Studierenden ganz einfach über PANDA zur Verfügung stellen. Analysen können ebenfalls dort oder in Sciebo geteilt werden.

Literatur: Hill, S. S., Soppelsa, B. F., & West, G. K, (1982). Teaching ESL students to read and write experimental research papers. TESOL Quarterly, 16(3), 333-347.
Grafik: xiayamoon, vecteezy.com

Positionierung: Wie man sich in Texten "wissenschaftlich" verhält

Rechtschreibung und Grammatik sind nicht die einzigen und vielleicht auch nicht die wichtigsten Kriterien, anhand derer Lehrende und Wissenschaftler*innen Texte als "gut" oder "schlecht" einschätzen.

Eine zentrale Aufgabe für Studierende ist zu lernen, wie man sich in akademischen Texten ihres Fachs gegenüber fachlichen Inhalten und gegenüber der Leserschaft zu verhalten hat. Das Fachwort dafür ist "Positionierung": Welche Positionen erschaffen Autor*innen für sich selbst in ihren Texten: Zeichnen sie ein Bild von sich als kompetent, vorsichtig, werbend, kritisch, abwägend, überzeugend? Und in welche Beziehung setzen sie sich selbst mit den Leser*innen: Sind sie auf einer Ebene oder allwissend, kooperativ oder arrogant, serviceorientiert oder im eigenen Denken verankert?

Ganz wichtig: Positionierung kann in verschiedenen Fächern ganz unterschiedlich aussehen! Wir haben eine Übung entwickelt, wie Sie und Ihre Studierenden wissenschaftliche Texte aus Ihrem Fach analysieren können, um zu sehen, welche Positionierungen typisch oder ausgefallen, akzeptiert oder kritisch, innovativ oder altbekannt sind. Hierfür nutzen wir eine Kategorisierung von Positionierungshandlungen von Ken Hyland.

Literatur: Hyland, K. (2005). Stance and engagement: A model of interaction in academic discourse. Discourse Studies, 7(2). 173-192

Schreibbezogene Lernziele: Den Nagel auf den Kopf treffen

Was sollen meine Studierenden eigentlich lernen? Sie können nicht nur fachliche Lehr- und Lernziele, sondern auch schreibdidaktische Ziele für Ihre digitale Lehrveranstaltung definieren. Stellen Sie Ihren Studierenden Schreib- und Leseaufgaben, die auf diese Ziele ausgerichtet sind.

Inhalt: Lesen und dann selbst schreiben

Wie können Studierende üben, von wissenschaftlichen Texten zum eigenen akademischen Text zu kommen? Wir haben vier Leseübungen entwickelt, die verschiedene Lese- und Exzerpiertechniken vorstellen. Im Laufe der Zeit können Studierende daraus eigene passende Lese- und Exzerpiertechniken entwickeln.

Lesen mit Leitfragen
Lesen mit einer Mind Map
Texte exzerpieren
Brief an den*die Autor*in

Prozess: Schreiben, schreiben, schreiben

Um Akademisches Schreiben zu lernen, hilft eigentlich nur: Schreiben. Studien haben gezeigt, dass die Expertise beim Verfassen wissenschaftlicher Texte vor allem durch Übung steigt.

Wie Sie sinnvoll aufeinander aufbauende Schreibaufgaben stellen, erfahren Sie weiter unten. Hier wollen wir Ihnen vor allem das kollaborative Schreiben ans Herz legen: Beim kollaborativen Schreiben verfassen Studierende gemeinsam Texte. Das ähnelt also sehr stark vielen "echten" fachlichen Schreibpraktiken, bei denen mehrere Autor*innen zusammenarbeiten. Autor*innen können tatsächlich gemeinsam im selben Dokument arbeiten, sich abstimmen, wer welche inhaltlichen Punkte übernimmt oder Rollen verteilen: Etwa dass eine Person schreibt, eine andere Person kommentiert und Feedback gibt und eine dritte Person schließlich den Text überarbeitet und redigiert. Ihrer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wie und in welchen Konstellationen Sie Ihre Studierenden zum kollaborativen Schreiben anleiten.

Sehr gute digitale Tools sind Etherpads, aber auch Wikis und Blogs.

Reflexion: Schreiben auf der Metaebene

Schreiben ist ein wunderbares Reflexionsmedium. Sie können Ihre Studierenden mit verschiedenen Übungen dazu animieren, über Lern- oder Schreiberfahrungen zu reflektieren.

Semesterbegleitend eignet sich ein Journal, also ein Lern-, Projekt- oder Schreibtagebuch, in dem Studierende Ihre Aktivitäten dokumentieren und reflektieren. Ganz einfach anzulegen mit PANDA.

Kurze Reflexionstexte wie Five- oder One-Minute-Papers eignen sich besonders gut, um einzelne inhaltliche Blöcke oder z.B. die Arbeit mit einem gelesenen Text zu reflektieren. Dabei formulieren Sie eine Frage, zu der Ihre Studierenden eine oder fünf Minuten lang einen kurzen Antworttext schreiben. Die Texte werden hochgeladen oder an Sie geschickt, sodass Sie zudem ein Feedback über den aktuellen Lernprozess der Studierenden erhalten.

Kennen Sie Freewriting? Diese klassische Schreibtechnik - schreibend denken ohne innezuhalten - kann immer wieder an unterschiedlichsten Stellen in die digitale Lehre eingebaut werden. Studierende kommen ins Schreiben und sitzen nicht vor dem leeren Dokument, sie reflektieren Getanes, finden Anschlüsse an Vorwissen, formulieren Fragen und kommen so einem Thema schreibend näher.

Schreibaufgaben stellen: Das Pferd von hinten aufzäumen

Wie entwickle ich Schreibaufgaben, die sinnvoll aufeinander aufbauen? Wie führe ich meine Studierenden Schritt für Schritt an möglichst "realitätsnahe" wissenschaftliche Texte heran? Gerade wenn Lehre digital stattfindet, ergeben sich gute Möglichkeiten, schon im Semester mit dem Schreiben zu beginnen und es Text für Text weiterzuentwickeln.

Reverse engineering

Legen Sie die schreibbezogenen Lernziele für Ihre Veranstaltung fest. Was sollen Ihre Studierenden am Ende können? Ein Beispiel wäre: Den Forschungsstand zu einem bestimmten Thema schriftlich darzustellen, wie es oft in den ersten Kapiteln wissenschaftlicher Artikel und Papers gemacht wird.

Denken Sie dann von hinten nach vorn, vom Ziel aus zu vorgelagerten Schreibaufgaben. Welche einfacheren und kürzeren Schreibaufgaben können Ihre Studierenden auf die spätere größere Aufgabe vorbereiten? In unserem Beispiel könnten das zunächst das Lesen von Überblicksartikeln und Reviews sein, dann das Schreiben von klassischen Karteikarten - nur eben digital - zu einzelnen gelesenen Texten und schließlich das Erstellen einer Mind Map zum gesamten Thema.

So gerüstet fällt Ihren Studierenden das Verfassen eines größeren Textes viel leichter. Und auch die fachlichen Inhalte werden sehr viel detaillierter und verknüpfter gelernt.

Literatur: Bean, J. C. (2011). Engaging ideas: The professor's guide to integrating writing, critical thinking, and active learning in the classroom. Chichester: Wiley.

Critical Thinking Problems und authentische Schreibanlässe

Stellen Sie Ihren Studierenden Critical Thinking Problems, also interessante, komplexe, offene fachliche Fragestellungen. Diese setzen Sie am besten in fachtypischen Schreibaufgaben um, die auch in der wissenschaftlichen Praxis relevant sind.

Greifen Sie, wenn möglich, auf echte Genres zurück und schaffen sie größere Leserschaften. Dafür eignen sich zum Beispiel Wikis oder Blogs, die auch über die Lehrveranstaltung hinaus rezipiert werden können.

Peer-Feedback und Interaktion: Die Mäuse auf dem Tisch tanzen lassen

Wie bringe ich meine Studierenden in Austausch, wenn wir nicht gleichzeitig in einem Raum sein können? Digitale Lehrformate eignen sich sehr gut für Peer-Textfeedback und schriftliche Interaktion zwischen Studierenden, z.B. im Chat oder in Foren.

Peer-Textfeedback

Wozu Peer-Feedback auf akademische Texte? Die Grafik zeigt, dass sich Studierende oft schwer damit tun, den eigenen Text einzuschätzen: Ist das gut, was ich da geschrieben habe?

Deshalb wird Peer-Feedback eingesetzt. Studierende geben ihre Textentwürfe an Peer-Leser*innen weiter - im besten Fall haben diese eine konstruktive, wohlwollende Feedbackhaltung (s. Infoblatt).

Dennoch: Leser*innen haben, auch wenn sie sich wohlwollend auf einen Text einlassen, sehr viele und gemischte spontane Reaktionen auf Texte. Im ersten Schritt gilt es, diese Reaktionen einfach wahrzunehmen.

Im nächsten Schritt können Feedback-Geber*innen ihre Lesereaktionen in vier Kategorien gliedern:

  1. "Glühbirnen-Momente" an Stellen, an denen sie den Text gut nachvollziehen und verstehen konnten
  2. "Fragezeichen-Momente" an Stellen, an denen etwas aus dem Text nicht klar wird oder nicht überzeugend ist
  3. "Weggabelung-Momente" an Stellen, an denen der*die Autor*in vor wesentlichen Entscheidungen steht. Wie soll sich der Text hier weiterentwickeln?
  4. "Expertenhut-Momente" an Stellen, an denen die Feedback gebende Person wichtige, oft fachliche Informationen hat, was im Text geändert werden muss

Die Feedback gebende Person trifft eine Auswahl, welche ihrer Leseeindrücke sie als Glühbirnen-, Fragezeichen-, Weggabelung- und Expertenhut-Momente an die Person rückmelden möchte, die den Text geschrieben hat. Weniger ist mehr. Und besonders beim Expertenhut ist Vorsicht geboten: Ist das sicher ein fachliches "Richig" oder "Falsch"? Oder doch nur eine persönliche Vorliebe?

Die Feedback nehmende Person nimmt das Feedback erst einmal als individuelle Lesereaktion der Person, die ihr Feedback gibt, zur Kenntnis. Es ist eine Art, ihren Text zu lesen und zu verstehen.

Im letzten Schritt entscheidet die Person, die den Text geschrieben hat, wie sie ihren Text überarbeiten möchte. Dabei hat sie die Feedback-Situation verinnerlicht und lernt so Schritt für Schritt, Leser*innen und ihre Reaktionen beim Schreiben und Überarbeiten zu antizipieren.

Infoblatt zu konstruktivem Textfeedback

Technisch lässt sich Peer-Textfeedback in PANDA mit dem Tool "Gegenseitige Bewertung" umsetzen, wenn dort nur Kommentare erlaubt werden. Einfacher geht es auch mit einem Etherpad oder mit Textdokumenten, die z.B. in Sciebo hochgeladen oder per Mail mit Kommiliton*innen geteilt werden.

Digitale Fragenspeicher

Wir erleben in unseren Workshops zum akademischen Schreiben immer wieder, dass Studierende besonders viel mitnehmen, wenn sie ihre brennendsten Fragen zum akademischen Schreiben in der Gruppe stellen können. Sie bekommen nicht nur Antworten und Tipps von anderen Studierenden (die Peer-Sicht) und von uns (die Expert*innen-Sicht), sondern sie sehen auch, das viele andere dieselben "dummen" Fragen haben.

Es gibt viele Möglichkeiten, digitale Fragerunden zu organisieren. Besonders einfach sind sie in PANDA beispielsweise über die Chat- und die Forenfunktionen umzusetzen.

Wir empfehlen, die Fragen zunächst einmal oder vielleicht sogar ausschließlich auf Peer-Ebene diskutieren und beantworten zu lassen - getreu der Devise: Ist die Katze aus dem Haus... Vielleicht können Sie Ihre Studierenden bitten, Ihnen nach einiger Zeit die wichtigsten unbeantworteten Fragen zukommen zu lassen?

Die Universität der Informationsgesellschaft