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Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

| Pressemitteilung

Von Kenia über Wien nach Paderborn: Shaban Mayanja arbeitet als Gastwissenschaftler an der Uni Paderborn

Seit Anfang November ist Dr. Shaban Mayanja Gastwissenschaftler am Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Paderborn. Über einen Mann, der zwischen Städten und Kontinenten hin- und herreist und Pionierarbeit für die Germanistik in Afrika leistet.

Mayanja wurde in Kampala, der Hauptstadt des ostafrikanischen Staates Uganda, geboren. Nach der Schule entschied er sich, an der dortigen Makerere-Universität Germanistik zu studieren. „Dass ich bei diesem Studienfach gelandet bin, war das Ergebnis von Zufall und Interesse. Ich besuchte eine Schule, an der Deutsch unterrichtet wurde. Eine Zeit lang hatten wir einen Lehrer aus Stuttgart. Er weckte bei mir die Begeisterung für die deutsche Sprache“, erzählt der Wissenschaftler.

Das erste Mal einen Winter erlebt

Während seines Bachelorstudiums besuchte Mayanja erstmals Deutschland: 1987 absolvierte er ein neunmonatiges Auslandssemester an der Universität des Saarlandes. „Ich sah erstmals Schnee und erlebte einen Winter – das war faszinierend. Doch anfangs war alles sehr fremd und ich vermisste meine Familie. Geholfen haben mir vor allem die afrikanische Gemeinschaft in Saarbrücken und die Mitarbeiter des damaligen Akademischen Auslandsamts der Uni“, erzählt Mayanja rückblickend. Mit einem Bachelorabschluss in Germanistik und Volkswirtschaftslehre in der Tasche wagte er 1990 endgültig den Sprung und schrieb sich an der Leibniz Universität Hannover für ein weiterführendes Germanistikstudium ein. „Ich bin zu einem spannenden Zeitpunkt nach Deutschland gekommen und erlebte ein Land, das sich kurz nach dem Mauerfall in einem großen Umbruch befand.“

Sicherheit und Meinungsfreiheit sind nicht selbstverständlich

Von Beginn an wurde Mayanja finanziell und ideell vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützt. Nach seinem Abschluss an der Uni Hannover kehrte er zunächst in sein Heimatland zurück, wo er ein Jahr als Dozent arbeitete. 1994 ermöglichte es ihm ein Stipendium des DAAD, an der Uni Hannover in Germanistik zu promovieren. An Deutschland schätzt Mayanja besonders Sicherheit und Meinungsfreiheit: „Hier kann ich mich ohne Angst bewegen und frei reden. Das ist alles nicht selbstverständlich.“

1999 erwarb Mayanja seinen Doktortitel an der Uni Hannover und arbeitete dort als Dozent für Deutsch als Fremdsprache, bevor er 2007 erneut auf den afrikanischen Kontinent zurückkehrte. Diesmal nahm er einen Job als DAAD-Lektor an der Obafemi Awolowo University-University in der nigerianischen Stadt Ile-Ife an. „Ich habe hier ein Graduiertenprogramm für Masterstudierende der Germanistik aufgebaut“, erzählt Mayanja. „Inzwischen sind alle Absolventen promoviert und arbeiten als Dozenten für Deutsch als Fremdsprache.“

2010 ging es im Rahmen des „DAAD-Rückkehrprogramms“ wieder zurück nach Deutschland – nun an die Universität Bayreuth, wo Mayanja Deutsch und Übersetzungswissenschaft unterrichtete. Nach dieser Zwischenstation lehrte er Translationswissenschaft und afrikanische Literatur am Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien. Mittlerweile ist der Germanist österreichischer Staatsbürger.

Germanistikstudium liegt in Afrika im Trend und bietet Jobperspektiven

2012 zog es Mayanja erneut nach Afrika und er nahm eine Stelle als DAAD-Lektor an der University of Nairobi an. Seine Familie folgte ihm. In Kenias Hauptstadt unterrichtete er deutsche Literatur, Landeskunde und Interkulturelle Studien. „Außerdem habe ich ein vom DAAD gefördertes Masterprogramm koordiniert, an dem Germanistik-Studierende aus verschiedenen afrikanischen Ländern teilgenommen haben“, berichtet Mayanja rückblickend. Das Interesse an der deutschen Sprache wachse auf dem afrikanischen Kontinent enorm, so der Wissenschaftler. „Mittlerweile kann man in fast allen französischsprachigen afrikanischen Staaten und auch in einigen englischsprachigen Ländern Germanistik studieren. Allein in Nigeria und Kenia wird der Studiengang an drei beziehungsweise sechs Unis angeboten.“

Was afrikanische Studierende mit einem Germanistikstudium in der Tasche anfangen können? „Gerade in Kombination mit anderen Studiengängen wie weiteren Fremdsprachen oder Wirtschaft kommen Absolventen bei deutschen Unternehmen oder in der Tourismusbranche unter“, so Mayanja. „Auch der Job als Lehrer oder Dozent für Deutsch ist mittlerweile attraktiv, da mehr und mehr Schulen und Universitäten hier Personal benötigen. Bei den Goethe-Instituten und beim DAAD steigt die Nachfrage ebenfalls.“ So arbeiten beispielsweise fast alle Absolventen des Germanistik-Studiums an der University of Nairobi inzwischen entweder für deutsche Einrichtungen in der Region oder als Dozenten an Schulen und Hochschulen in ihren Heimatländern.

Kooperation zwischen Universität Paderborn und afrikanischen Hochschulen soll ausgebaut werden

An der Uni Paderborn unterrichtet Mayanja nun für zwei Semester Übersetzungswissenschaft. „Außerdem werde ich in dieser Zeit zusammen mit Prof. Dr. Michael Hofmann vom Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft die Kooperation mit anderen Unis in Afrika wie in Tunesien, Togo und Kamerun koordinieren und nach Möglichkeit ausbauen. Dazu gehört auch, eine Partnerschaft zwischen den Instituten für Germanistik in Paderborn und Nairobi aufzubauen“, erzählt Mayanja. 2019 werden vier Germanistikstudierende aus Nairobi mehrere Monate an der Uni Paderborn verbringen. Mayanja wird sie mitbetreuen.

Wo er sich in Paderborn erholen kann? „Ich bin ja erst seit Kurzem hier, aber das Paderquellgebiet ist ein schöner Ort, um zu entspannen“, meint Mayanja und blickt erwartungsvoll auf die kommenden Monate an der Uni.

Interview und Text: Simon Ratmann, Stabsstelle Presse und Kommunikation

Die Universität der Informationsgesellschaft