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Foto: © Simon Atzbach | augwerk.de

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Lena Haase: Vom "Juristen" zum "Rechtswahrer" NS-Sprachpolitik beim Umbau von Justiz und Polizei

Mit einer geradezu unbegreiflichen Selbstverständlichkeit und Normalität wird innerhalb der Geschichtswissenschaft und damit auch in der Juristischen Zeitgeschichte von „den Juristen“ und damit auch von „dem Juristenstand" gesprochen, ohne dessen Zusammensetzung, Ausprägung oder Abgrenzung zu denjenigen außerhalb des Standes stehenden Mitgliedern der Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Historische wie auch soziologische Analysen dieses Standes gehen nicht selten von seiner vermeintlichen Einheitlichkeit aus. Insbesondere mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus erweist sich das ohnehin schwierige Unterfangen zur Charakterisierung und Typologisierung des „Juristen“ als unmöglich. Ein Grund dafür war die neu eingeführte Bezeichnung des „Rechtswahrers“ durch die politische Führung.

Einhergehend mit dieser neuen Bezeichnung eines jahrhundertealten Berufsfeldes wurde die Zugehörigkeit zu jenem ausgeweitet und die – in der Eigen- und in weiten Teilen auch der Fremdwahrnehmung – gesellschaftliche Elite der Juristen abgewertet. Sprachpolitik als Ausdruck der Aberkennung von Bedeutung im Kontext der Strafverfolgung, aber auch der staatspolitischen Relevanz durch die politische Führung ging einher mit der gleichzeitigen sprachlichen und definitorischen Aufwertung der Tätigkeit der Geheimen Staatspolizei. Der Konkurrenzkampf von Justiz und Polizei um – alte wie neue – Kompetenzen, die zeitgenössisch auch als „Ressortspannungen“ bezeichnet worden sind, wurde demzufolge auch auf der Ebene sprachlicher Deutungshoheit ausgefochten. Auf der einen Seite wurden Juristen neuerdings als „Arbeiter am Recht“ nahezu proletarisiert, während auf der anderen Seite die Beamten der Geheimen Staatspolizei als wahre Beschützer der rechtlichen und faktischen Sicherheit der Volksgenoss*innen verstanden werden sollten.

Der Vortrag wird die Auseinandersetzung zwischen Justiz- und Polizeibehörden – insbesondere der Staatsanwaltschaft und der Geheimen Staatspolizei – erörtern und dabei den Blick in einem ersten Schritt auf die auf politischer Ebene vorgenommenen Veränderungen in den Bezeichnungen von Berufen, Berufsgruppen und -feldern sowie die ihnen jeweils zugeschriebenen Attribute legen. In einem zweiten Schritt sollen diese „Ressortspannungen“ aus der behördlichen Binnenperspektive erörtert und auch im Kontext der Bezugnahme auf die sprachpolitischen Veränderungen und die Eigenwahrnehmung in Abgrenzung zur einheitlichen Linie nachgezeichnet werden.