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Foto: © Simon Atzbach | augwerk.de

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Christina Morina: Mehrheitsgesellschaft und Judenverfolgung in Tagebüchern aus der NS-Zeit. Ein Werkstattbericht

Der Vortrag skizziert die Prämissen und Ziele eines geplanten Forschungsprojektes zur hermeneutischen, historisch-semantischen und computerlinguistischen Analyse von 600 jüdischen und nichtjüdischen Tagebüchern im europäischen Vergleich. Mit dem Aussterben der Zeitzeugen und der Integration der Opferperspektive in der Holocaustgeschichtsschreibung sind Selbstzeugnisse, vor allem Tagebücher, immer stärker in den Fokus der Forschung gerückt. Sie werden bislang vor allem zur Veranschaulichung der Opfererfahrungen herangezogen, oft eher in Ausschnitten, denn in ihrer zeitlichen Länge rezipiert und analysiert, und jüngst auch für die Mobilisierungsgeschichte der 'Volksgemeinschaft' fruchtbar gemacht. Doch ihr analytischer Wert als Zeugnisse und Reflektionen der Rolle und Mitwirkung der Mehrheitsgesellschaft(en) an der Judenverfolgung in Deutschland und den besetzten Ländern ist bei weitem noch nicht angemessen erschlossen. Eine systematische Untersuchung von Opfer- und Bystander-Tagebüchern – gewissermaßen als wechselseitig aufeinander bezogene Spiegelungen – soll die mit dem Wort bystanding nur vage umrissenen myriaden gesellschaftlichen Handlungsrahmen, individuellen Motivlagen und interpersonalen Prozesse von Stigmatisierung, Exklusion und Gewalt, aber auch Empathie und Solidarisierung, sichtbar machen – und verspricht damit über den Holocaust hinausweisende Einblicke die Bedingungen und Dynamiken systemischer bzw. genozidaler Gewalt zu ermöglichen. Das Projekt knüpft an Forschungen zum Holocaust als „sozialen Prozess“ an, ergänzt diese um eine interpersonale und zugleich transnationale Dimension und versucht, dieses Massenverbrechen als Teil einer europäischen Gesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen.