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Foto: © Simon Atzbach | augwerk.de

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Bettina M. Bock: Kommunikative Praktiken des Beschönigens und Verdeckens in den „Meldungen aus dem Reich“

Die „Meldungen aus dem Reich“ (später: „SD-Berichte zu Inlandsfragen“) dienten NS-Funktionären dazu, einen Einblick in die aktuelle Stimmung der Bevölkerung zu gewinnen. Aus Sicht der Geschichtswissenschaft haben sie einen bedeutenden Quellenwert im Hinblick auf die Sozial- und Mentalitätsgeschichte des 'Dritten Reiches'. Die SD-Berichte dokumentieren u.a. Kritik und Befürwortung, die in der Bevölkerung geäußert wird, außerdem Gerüchte, politische Witze oder auch die (Un-)Wirksamkeit von Propagandamaßnahmen. Mit dem Fortschreiten des Krieges entstand nun das Problem, dass zunehmend nur noch Negatives zu berichten war, und damit gerieten die Verfasser der Berichte unter Druck: Joseph Goebbels beispielsweise schätzte die Berichte einerseits als Informationsquelle, andererseits kritisierte er sie als defätistisch (vgl. Schreiber 2008: 156).  
Im Beitrag sollen die „Meldungen aus dem Reich“ als spezifische Form der institutionellen Kommunikation des NS-Apparates untersucht werden. Linguistisch betrachtet handelt es sich um nicht-öffentliche Texte mit (zunehmend) beschränkter Leserschaft, die innerhalb des Sicherheitsdienstes in eine Kommunikation „von unten nach oben“ eingebettet sind (vgl. Bergmann 1999, mit Bezug auf die DDR-Staatssicherheit). Der Fokus der Analyse liegt auf Praktiken des Beschönigens und des Verdeckens, die offenbar auch auf widersprüchliche Adressatenerwartungen zurückgeführt werden können (wahrheitsgemäße Berichterstattung über negative Entwicklungen „nach oben“ vs. Positionierung als loyaler Funktionär gegenüber Vorgesetzten). Die Analyse soll klären, welche sprachlichen Mittel innerhalb dieser Praktiken genutzt werden, was eigentlich beschönigt und verdeckt werden soll, und welche Funktionen diese Praktiken innerhalb des Sicherheitsdienstes haben. Dabei wird auch die zeitliche Entwicklung berücksichtigt, da insbesondere Stalingrad als Zäsur für die Arbeit und die Bedeutung des Sicherheitsdienstes gilt. Zudem geben die untersuchten Praktiken des Beschönigens und Verdeckens Anlass zur erneuten Reflexion des in der Geschichtswissenschaft angenommenen Werts als authentische Quellentexte.

 

Literatur

- Bergmann, Christian (1999): Die Sprache der Stasi. Ein Beitrag zur Sprachkritik. Göttingen.

- Pappert, Steffen/Schröter, Melani/Fix, Ulla (2008): Verschlüsseln, Verbergen, Verdecken in öffentlicher und institutioneller Kommunikation. Berlin..

- Schreiber, Carsten (2008): Elite im Verborgenen. Ideologie und regionale Herrschaftspraxis des Sicherheitsdienstes der SS und seines Netzwerks am Beispiel Sachsens.  München.