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Foto: © Simon Atzbach | augwerk.de

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Manuel Mork: Gespräch und Austausch im Schatten der Besatzung. Praktiken informeller Kommunikation in Frankreich 1940-44.

Wie dachten die Franzosen über die deutschen Besatzer, das 'Dritte Reich' und den Kriegsverlauf? Mittels welcher kommunikativer Praktiken wurde diesen Vorstellung Ausdruck verliehen? Und wie reagierten die Besatzungsbehörden darauf, dass ihr Informationsmonopol in der Sphäre informeller Kommunikation umgangen werden konnte?

Quellen aus dem besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs berichten einhellig, dass die französische Bevölkerung die Berichterstattung in Presse und Radio beinah geschlossen als Propagandawerkzeug des Besatzers wahrnahm und ihr deshalb grundlegend misstraute. Unter diesen Umständen nahmen populäre Erzählungen – in Form von Gerüchten, Weissagungen, Witzen und historischen Analogien – eine Art Ersatzfunktion ein, um sich die eigene Situation, diejenige Frankreichs und das weltweite Kriegsgeschehen verständlich zu machen. Diese Narrative, die im hohen Maße über einen „halböffentlichen“ Austausch zwischen Bekannten (informelle Sphäre) verbreitet wurden, gingen mit speziellen kommunikativen Praktiken einher, auf die von der deutschen Militärverwaltung wiederum gezielt reagiert wurde. So wurden in Frankreich gemachte Beobachtungen (deutsche Leichen, alliierte Flugangriffe) zu Gerüchten über den allgemeinen Kriegsverlauf ausgebaut, religiös untermalte Prophezeiungen über den deutschen Niedergang auf handbeschriebenen Zetteln oder über Kettenbriefe verbreitet und Witze gegenüber den Besatzungssoldaten mit einem gewissen Maß an Ambivalenz oder Unverständlichkeit formuliert, sodass eine Sanktionierung dieser Äußerung verhindert werden konnte. Die Besatzungsbehörden reagierten, indem sie populäre Narrative über Gegenpropaganda zu widerlegen oder ins Lächerliche zu ziehen versuchten, und indem sie als deutschlandfeindlich eingestufte Äußerungen vor Wehrmachtsgerichten mit Haftstrafen belegten. Die situationsbedingte Intensivierung bestimmter informeller Kommunikationspraktiken führte also zum (verschärften) Einsatz spezifischer Herrschaftspraktiken. Der Vortrag versucht diesen Entwicklungen anhand von Fallbeispielen nachzugehen, die sich in Tagebüchern, Gerichtsakten und Stimmungsberichten aus dem besetzten Frankreich finden und dabei grundsätzlich zu fragen, wie sich unter den Extrembedingungen von Krieg und Besatzung politische Kommunikation wandelte.