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Foto: Universität Paderborn, Besim Mazhiqi Bildinformationen anzeigen
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„Englischunterricht muss sich ständig weiterentwickeln“

Englischdidaktik als Bindeglied zwischen inhaltsbezogenen Fachwissenschaften und lehr-/lernbezogenen Bildungswissenschaften

Prof. Dr. Dominik Rumlich möchte das Englischlernen verbessern. In seiner Forschung geht er empirisch vor und vertritt mit einer quantitativen Ausrichtung eine ungewohnte Perspektive in seiner Disziplin. Ende 2018 wurde er auf die Professur für Didaktik des Englischen am Institut für Anglistik und Amerikanistik berufen. „Für mich ist Englischunterricht wie ein Fitness-Studio für den Kopf. Einer der wichtigsten Punkte dabei: Nur weil Lehrende ein gutes Angebot machen, heißt es nicht, dass erfolgreich trainiert bzw. gelernt wird“, gibt Rumlich zu bedenken. Daher untersucht er Lernerfolge, deren Zusammenhänge und wie sie durch guten Unterricht bzw. (Lern-) Angebote gefördert werden können. Wie im Fitness-Studio gebe es offensichtliche Erfolgsfaktoren: regelmäßiges aktives Training/Üben in angenehmer Atmosphäre, Wissen, Strategien, Motivation etc. Aufgrund der Unterschiede zwischen den Menschen können die optimale Umsetzung und der beste Weg zum (gleichen) Ziel jedoch individuell stark variieren: „Manche bevorzugen Zumba, andere Spinning oder den freien Gerätebereich. Wiederum andere möchten alleine oder in der Gruppe trainieren, andere brauchen Beratung bzw. Begleitung oder einen Drill-Instructor, der sie antreibt. Trotz der großen Herausforderung, dies in einer Klasse mit 30 Lernenden umzusetzen und sie dabei aktiv einzubeziehen: Das muss der Anspruch und Ansporn sein – dabei unterstützen wir die Englischlehrkräfte mit unserer didaktischen Forschung.“

Wird der erfolgreiche Erwerb der Muttersprache bereits häufig als komplexester Lernvorgang im Leben eines Menschen angesehen, so wird klar, dass die Herausforderung beim Erlernen einer fremden Sprache noch einmal ansteige. Englischunterricht müsse sich daher ständig weiterentwickeln, um sich den veränderten Lern- und Lehrbedingungen anzupassen. Das ist die vorrangige Aufgabe der Englischdidaktik. „Sie baut dabei auf zwei Säulen auf. Inhaltsbezogene Fachwissenschaften und lehr-/lernbezogene Bildungswissenschaften. Als Bindeglied nimmt sie die zentrale Rolle für gelingenden Englischunterricht ein.“

Und es gibt einiges zu tun: In Folge der wenig erfreulichen PISA-Ergebnisse im Jahr 2000 sei die interdisziplinäre Kooperation zwischen den Bildungswissenschaften und den Fachdidaktiken des Deutschen, der Mathematik und der Naturwissenschaften erheblich verstärkt worden. Heute könne man sehen, wie sehr die Expertise und Perspektiven der empirischen Bildungswissenschaften die Forschung der beteiligten Fachdidaktiken bereichert habe, was auch umgekehrt für die Bildungswissenschaften gelte. Da Fremdsprachen jedoch nicht Gegenstand von PISA sind, seien derartige Synergien für die Englischdidaktik bislang eher die Ausnahme.

Genau in diesem Bereich hat sich Rumlich etabliert: Seine Forschung ist quantitativ und in direktem Kontakt mit der empirischen Bildungsforschung, wo er als Promovend forschungsmethodisch geschult und sozialisiert wurde. Aktuell forscht er u. a. in den Bereichen Leistungsmessung, Literatur im Fremdsprachenunterricht, Selbstkonzept, Interesse/Motivation und bilingualer Unterricht, als einem der vielversprechendsten Bereiche für zukunftsweisende Fremdsprachenlern- und -lehrkonzepte.

Im Rahmen seiner größten Untersuchung über zwei Jahre mit 1.400 Lernenden hat er festgestellt, dass Schülerinnen und Schüler im bilingualen Unterricht bereits zu Beginn einen Englischkompetenz-Vorsprung von 1,5 Schuljahren haben sowie ein deutlich stärkeres Englisch-Selbstkonzept und -Interesse aufweisen als Gleichaltrige in Vergleichsklassen. Diese Unterschiede, die durch Effekte von vorbereitendem Englischunterricht, Selektionsprozessen und Klassenkomposition verursacht werden, nahmen während des bilingualen Unterrichts jedoch nicht weiter zu. „Hier hat sich gezeigt, dass sich der vielgepriesene bilinguale Unterricht nicht auf alle Englischkompetenzen auswirkt und wir sowohl seine Leistungsfähigkeit als auch die Erteilung genauer untersuchen und eventuell vorhandene Verbesserungspotentiale identifizieren müssen.“ Gleichzeitig fiel bei der Analyse der Englisch-Zeugnisnoten auf, dass die Lernenden in bilingualen Zügen aufgrund der leistungsstarken Klassen bei gleicher Englischkompetenz um bis zu zwei Noten schlechter bewertet wurden als Gleichaltrige in Parallelklassen. „Die Lehrkräfte sind entsetzt, wie ungerecht Noten im klassenübergreifenden Vergleich sein können“, erzählt Rumlich. „Diese Ergebnisse machen aber auch deutlich: Manche Phänomene können nicht qualitativ-fallstudienartig untersucht werden. Da braucht es die Vogelperspektive der quantitativen Forschung!“

Hier möchte Rumlich in Zukunft ansetzen: „Der Weg der an PISA beteiligten Fachdidaktiken hat starken Vorbildcharakter für mich. Daher bin ich an meiner Universität und auf Konferenzen gerne in empirischen Bildungswissenschaften und anderen Fachdidaktiken unterwegs.“ Dabei entwickelt er immer neue Ansätze, wie erfolgreiches Englischlernen und -lehren empirisch-praxisnah erforscht werden könne. „Ich freue mich auf Kooperationen und gemeinsame Projekte an der UPB – auch darauf, meine Expertise mit anderen zu teilen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagt Rumlich. In einem schulischen Bereich, der aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und Internationalisierung als immer wichtiger erachtet werde, könne die UPB mit drei Professuren hier nun richtig etwas bewegen: „Es ist toll, ein Teil davon sein zu dürfen!“

Die Universität der Informationsgesellschaft