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„Englischunterricht muss auf aktuelle Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft reagieren“

Prof. Dr. Peter Hohwiller, Experte für englische Literatur- und Kulturdidaktik am Institut für Anglistik und Amerikanistik, erforscht, welche Texte für den Englischunterricht geeignet sind, wie qualitativ hochwertige Lehre gelingt, analysiert Unterrichtsentwürfe und erklärt, warum Klassiker nicht immer die bessere Wahl sind.

Aldous Huxley, George Orwell, William Golding – seit Jahrzehnten werden in Deutschlands Klassenzimmern Standardwerke der Weltliteratur gelehrt. Das habe auf der einen Seite zwar seine Bewandtnis, sagt Prof. Hohwiller, führe auf der anderen Seite aber dazu, dass Alternativen häufig ignoriert werden. „Gute Lehre lebt davon, dass sie sich an den Bedürfnissen der Lernenden orientiert. Das heißt: Bei der Lektüre für den Englischunterricht sollte ich beachten, was die Lerngruppe interessiert, welche Texte altersgerecht sind und vor allem welche Themen gerade aktuell sind. 2019 ausschließlich Bücher aus den 30er oder 40er Jahren zu lesen, ist meines Erachtens wenig zielführend“, so der Wissenschaftler.

Prof. Hohwiller, der selbst u. a. Englisch, Deutsch und Latein an Gymnasien unterrichtet hat, setzt auf Aktualität: „Ich verfolge grundsätzlich alle Neuerscheinungen auf dem Romanmarkt. Mein wissenschaftliches Interesse gilt insbesondere den Werken ab 2010.“ Wichtig ist ihm dabei, dass die Texte klare Querverbindungen zu gesellschaftlichen, politischen oder wirtschaftlichen Diskursen haben. „Natürlich gibt es da Unterschiede zur klassischen Literatur. Hinsichtlich Textverdichtung oder Komplexität stehen viele aktuelle Werke den Klassikern aber in nichts nach. Vielleicht übertreffen sie sie sogar.“ Der Wissenschaftler fordert einen grundsätzlich breiteren Zugang zu den Themen: „Welchen literarischen Niederschlag finden die globalen Herausforderungen unserer Zeit? Wie kann ich beispielsweise den Brexit in den Literaturunterricht integrieren? Das sind Fragen, die dringend angegangen werden müssen, um Lehre auf Höhe der Zeit zu gewährleisten. Ich glaube ganz sicher, dass der Englischunterricht darauf reagieren muss“, gibt Prof. Hohwiller zu bedenken.

Praxissemester: Unterrichtsverlaufspläne auf dem Prüfstand

Um Studierende auf ihre spätere Tätigkeit vorzubereiten, sind – zumindest in NRW – Praxissemester im Bereich Lehramt verpflichtend. Anders als im Referendariat geht es dabei um die theoriebasierte Reflexion des Schulalltages. In Studienprojekten sollen Praxiserfahrungen wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Das Erstellen von Unterrichtsentwürfen gehört dazu. Prof. Hohwiller stellt fest: „Für das Fach Englisch gibt es wenig Literatur und wenn dann nur sehr allgemeine“. Um das zu ändern, betreibt er Grundlagenforschung. „In Kürze erscheint auch mein Buch, in dem es unter anderem darum geht, wie Englischunterricht lernwirksam geplant und welche Entscheidungen für das Fach Englisch getroffen werden müssen.“ Dafür hat der Wissenschaftler sogenannte „expert teachers“, also Fachberater, Fachleiter und Lehrplanentwickler, interviewt. „Im Wesentlichen geht es bei der zugrundeliegenden Forschung darum, offenzulegen, wie expert teachers fremdsprachlichen Literaturunterricht planen“, erklärt Prof. Hohwiller. Die Ergebnisse sollen jungen Lehrkräften als Orientierungshilfe dienen.

Kompetenzen früh vermitteln

Den Umgang mit Heterogenität sieht Prof. Hohwiller als „Gebot der Stunde“.  „Das Ziel, methodische Kompetenzen zu vermitteln, bleibt dasselbe. Aber die Anforderungen haben sich geändert. Die Vielfalt unter den Schülerinnen und Schülern muss sich deshalb auch in der Themenwahl und den Unterrichtsverfahren widerspiegeln.“ Einen Vorteil sieht er in der Lernerautonomie: „Schüler zu eigenverantwortlichem Handeln zu erziehen, ist ein Resultat selbstbestimmten Lernens. Aber die Anschlusskommunikation wird deutlich schwieriger, weil vielleicht verschiedene Themen und Aufgaben vorbereitet worden sind“, so Hohwiller. In jedem Fall käme es auf die Expertise des Lehrenden an. Entsprechende Kompetenzen müssten deshalb schon früh in der Lehrerbildung vermittelt werden, lautet sein Fazit.

Nina Reckendorf, Stabsstelle Presse und Kommunikation

Die Universität der Informationsgesellschaft