Achtung:

Sie haben Javascript deaktiviert!
Sie haben versucht eine Funktion zu nutzen, die nur mit Javascript möglich ist. Um sämtliche Funktionalitäten unserer Internetseite zu nutzen, aktivieren Sie bitte Javascript in Ihrem Browser.

Unsere Aufkleber im Alumni Paderborn-Design. Wir freuen uns, wenn viele Ehemalige an der UPB "kleben bleiben". (Foto: Universität Paderborn, Alexandra Dickhoff) Bildinformationen anzeigen

Unsere Aufkleber im Alumni Paderborn-Design. Wir freuen uns, wenn viele Ehemalige an der UPB "kleben bleiben". (Foto: Universität Paderborn, Alexandra Dickhoff)

|

Rückblick zum 24. Emeriti-Treffen | Online-Treffen für Emeriti und Alumni zu „Fluch und Segen digitaler Lehre“

Im Herbst 2008 sind Professorinnen und Professoren der Universität – emeritiert, pensioniert oder verrentet – zum ersten Mal zusammengekommen. Seitdem haben sie sich zwei Mal im Jahr an wechselnden Orten getroffen, um Kolleginnen und Kollegen von früher wiederzusehen und Neuigkeiten rund um ihre Hochschule zu erfahren. Im vergangenen Jahr pausierten die Emeriti-Treffen aufgrund der coronabedingten Einschränkungen. Im aktuellen Sommersemester fand die Veranstaltung online am Mittwoch, 23. Juni 2021, statt. Prof. Dr. Sebastian Luft, Philosophieprofessor an der Marquette University in Milwaukee, Wisconsin, referierte zum Thema „Fluch und Segen digitaler Lehre“. 

In seiner Begrüßung gab Alumni-Vorsitzender Prof. Dr. Volker Peckhaus einen Einblick in die coronabedingten Veränderungen auf dem Campus: Die Universität Paderborn befinde sich mittlerweile im dritten digitalen Semester. Studierende, Wissenschaftler*innen, Lehrende und Mitarbeitende haben in den vergangenen 15 Monaten online studiert, gelehrt, geforscht und gearbeitet. Viele Mitglieder der Uni sehnen aber das Ende der Pandemie herbei. Sie vermissen den persönlichen Austausch und wünschen sich Präsenzveranstaltungen zurück, in denen eine ganz andere Diskurskultur gepflegt werden könne, als sie vor dem heimischen Bildschirm mit Videokacheln möglich sei. Es habe sich aber auch gezeigt, dass die digitalen Formate Chancen bieten. Die Universität Paderborn bekenne sich zur Präsenzuni, allerdings sollten hybride Lehr- und Lernformen weiterverfolgt werden.

Drei Semester Online-Lehre: Erfahrungen der Emeriti-Preis-Stipendiatin Sina-Marie Rieke 

Die aktuelle Emeriti-Preis-Stipendiatin Sina-Marie Rieke, die sich im Rahmen des Treffens ihren Förderinnen und Förderern vorstellte, gab ihre Erfahrungen mit dem digitalen Studium weiter. Im Herbst 2020 wurde Rieke mit dem Emeriti-Preis ausgezeichnet. An der UPB hat sie zunächst mit dem Masterstudium „Wirtschaftspädagogik – Lehramt an Berufskollegs“ begonnen und dann im dritten Semester zum Master-Studiengang „Management Information Systems“ gewechselt. Mittlerweile hat für sie das dritte Online-Semester an der Uni begonnen. Ihre Erfahrungen: „Ich kenne nun beides – das Präsenzstudium während meines Bachelorstudiums an der FH Dortmund und die Online-Lehre an der UPB. Ich sehe Vorteile in den digitalen Formaten: Die Fahrzeit zum Studienort fällt weg und man ist zeitlich flexibler, wenn Vorlesungen aufgezeichnet werden und jederzeit abrufbar sind. Auf der anderen Seite empfinde ich das Online-Studium als fordernder. Ich habe den Eindruck die Studierenden müssen bei den Veranstaltungen ein höheres Arbeitspensum für die Module bewältigen, Gruppenarbeit ist deutlich schwieriger online zu organisieren und der physische Kontakt zu den Studienkolleginnen und -kollegen fehlt.“

Professor Sebastian Luft zu den Vor- und Nachteilen der digitalen Lehre: Hybride Lehrkonzepte sind die Zukunft

Den Hauptvortrag des Treffens hielt Prof. Dr. Sebastian Luft. Er referierte aus Köln zum Thema „Fluch und Segen digitaler Lehre“. Sebastian Luft ist Philosophieprofessor an der Marquette University in Milwaukee, Wisconsin, und Director of Graduate Studies des dortigen Department of Philosophy. Er war 2015/16 DAAD-Gastprofessor an der Universität Paderborn. In der gegenwärtigen Pandemielage unterrichtet er seine Studentinnen und Studenten von Deutschland aus.

Er betonte, dass die Universitäten in der Corona-Pandemie im Gegensatz zu den Schulen ihre und die Situation der Studierenden nicht deutlich genug vertreten und öffentlich gemacht haben: „Alle reden über die Schulen, die Universitäten werden komplett vernachlässigt.“ Die Pandemie habe erneut deutlich gezeigt, dass die Lehre an Universitäten gegenüber der Forschung als minderwertig angesehen werde. Daher wäre der Druck, sich um das Thema Online-Lehre zu kümmern, nicht groß genug. Es fehlen didaktische Konzepte für die Lehre und Fortbildungen für die Lehrenden sowie Pläne zur Rückkehr zur vermehrten Präsenzlehre im Wintersemester. Seine Frage: „Warum gibt es zwischen Bund und Ländern keinen Digitalen Hochschulpakt, der die in der Pandemie aufgeworfenen Fragen und Probleme adressiert, aber auch positive Erfahrungen mit der digitalen Lehre für die Zukunft übernimmt?“

Eine Folge der Pandemie für die Studierenden sei der Verlust sozialer Kompetenzen. Luft spricht von einer „Re-Infantilisierung“, weil der soziale Teil des Lebensabschnitts Studiums weggefallen sei. „Der Abnabelungsprozess der Studierenden vom Elternhaus wurde unterbrochen, viele sind zurück in ihr Kinderzimmer gezogen. So fehle der Kontakt zum akademischen Umfeld und zu den Kommilitoninnen und Kommilitonen.“ Gleichzeitig hätte die Pandemie seiner Meinung nach einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit bei den Studierenden geleistet. Aufgezeichnete Vorlesungsformate bieten arbeitenden Studierenden eine zeitversetzte Teilnahme und dadurch ein flexibleres Studium. Voraussetzung dafür sei, dass alle Studierenden über eine ausreichende technische Ausstattung und Infrastruktur verfügen. Für Sebastian Luft bieten die nun seit 15 Monaten etablierten digitalen Möglichkeiten auch Chancen für eine zunehmende Internationalisierung der Universitäten mit neuen Studiengangskonzepten mit nur teilweiser Präsenzpflicht, Online-Kursen und einem „Global Campus“. Insgesamt stehen die Möglichkeiten der Online-Medien seiner Meinung nach noch am Anfang der Entwicklung: Die Studierendengeneration der „Digital Natives“ habe generell weniger Probleme im Umgang mit der Technik und Online-Plattformen werden sich weiterentwickeln, um hybride Lernformate in Zukunft besser zu unterstützen.

Sein Fazit: Die Pandemie habe die Vor- und Nachteile der Uni-Strukturen deutlich gemacht. Ein Zurück zum Status Quo vor der Pandemie werde es nicht geben, denn die Online-Lehre werde nicht komplett verschwinden. Die Zukunft der Universitäten entscheide sich an ihren Fähigkeiten, virtuelle Komponenten in die Lehre zu integrieren und auf Innovationen zu setzen.

Die Universität der Informationsgesellschaft