Konzerte des Hochschulorchesters Paderborn am 28. und 30. Januar 2013
Konzerte des Hochschulorchesters Paderborn am 25. und 26. Juni 2012
Edvard Grieg
Edvard Grieg, der am 15. Juni 1843 in Bergen/Norwegen zur Welt kam und am 4. September 1907 dort starb, wurde als Kind von seiner Mutter Gesine Judithe Hagerup, einer vorzüglichen Pianistin und Pädagogin, im Klavierspiel unterrichtet. Er studierte von 1858 bis 1862 am Konservatorium in Leipzig Klavier und Komposition, zu seinen Lehrern zählten einige der hervorragendsten Kapazitäten der Musikpädagogik: Ignaz Moscheles (Klavier), Carl Reinecke und Moritz Hauptmann in Komposition. Während seines Aufenthalts in Leipzig bekam Edvard Grieg Kontakt mit den europäischen Musiktraditionen, vor allem studierte er die Werke von Mozart und Beethoven, aber auch die Kompositionen moderner Komponisten wie Mendelsohn, Schumann und Wagner. Er beendete das Studium am Konservatorium 1862 mit hervorragenden Noten und ging zunächst zurück nach Bergen. Während seiner Leipziger Zeit erkrankte Grieg an Pleuritis (Rippenfellentzündung), einer Art Tuberkulose, von der er den Rest seines Lebens geprägt wurde. Seine linke Lunge kollabierte und dadurch litt er fortan unter einem schiefen Rücken und Atemproblemen.
Peer Gynt Suite Nr. 2, op. 55
Griegs Bühnenmusik zu Henrik Ibsens Drama Peer Gynt hat, zumindest zu Griegs Lebzeiten, nicht die Anerkennung erfahren, die der Komponist sich erhoffte. Diverse Umarbeitungen, Ergänzungen und Varianten zeugen von Griegs langjähriger Beschäftigung mit dem Werk. Viele dieser Partitur-Varianten sind nicht erhalten und erschweren heute die adäquate Aufführung der kompletten Bühnenmusik. Fakt ist, dass Grieg mit seinem Verleger Peters über eine Veröffentlichung der Gesamtpartitur erfolglos verhandelte, so dass 1888 die erste Peer Gynt Suite, 1892 nach der Neuinszenierung in Oslo (mit Überarbeitungen) die zweite Peer Gynt Suite im Druck erschienen. Grieg erhoffte sich durch die Verbreitung dieser „Highlights“ aus der Bühnenmusik, die tatsächlich einen riesigen Erfolg hatten, dass doch das gesamte Werk im Druck erscheinen würde, das Gegenteil war aber der Fall: Peters wollte seinen eigenen Notenausgaben keine Konkurrenz machen.
Klavierkonzert a-Moll op. 16
„In den Konzertsaal taugt es nicht“, es ist gerade gut genug, „Brillenschlangen in Träume zu lullen oder rhythmische Gefühle in abgerichteten Bären zu erwecken“. So urteilte Hugo Wolf 1885 über Griegs Klavierkonzert. Es ist das einzige Solo-Konzert Griegs, entstanden in Søllerød, wo Grieg nach der Hochzeit mit Nina in Urlaub war. Das Publikumsurteil zeigt, wie erfolgreich gerade diese Komposition Griegs war und ist. Bereits der Beginn des Konzertes, Paukenwirbel, Tutti-Akkord und eine kraftvolle Klavierkaskade ziehen die Zuhörer in ihren Bann. Das Hauptthema, eine kurze volkstümliche Melodie wird zunächst zart vom Orchester vorgetragen und dann vom Solisten übernommen, der es durch unterschiedliche emotionale Abstufungen führt. Solo- und Tuttiteile werden im Verlauf nicht abwechselnd vorgetragen, wie es traditionell üblich war, sondern in einer einheitlichen Entwicklung verschmolzen.
Der zweite Satz, Adagio, ist eine großangelegte gesangliche Linie, die direkt in den dritten Satz überleitet. Das tänzerische, folkloristische Hauptthema basiert auf dem “Halling”, einem Springtanz über Bordun-Bässen, und wird im Verlauf geradezu pathetisch gesteigert. Auch hier zeigt sich Griegs reiche Tonsprache zwischen Überschwang und Träumerei.
Sinfonie c-Moll (1863/64)
Nachdem Grieg während seiner Leipziger Zeit nur kleine Formen komponiert hatte (vor allem Charakterstücke für Klavier und Sololieder), ermunterte ihn Nils W. Gade in Kopenhagen zur Komposition einer Sinfonie. Grieg machte sich voller Eifer an die Arbeit und vollendete den ersten Satz bereits nach zwei Wochen. Die restlichen drei Sätze beschäftigten ihn allerdings noch fast ein Jahr, so dass er das Werk im Mai 1864 abschloss. Noch ganz der klassischen Tradition verpflichtet verwendet Grieg die Tonartenkonzeption von Beethovens fünfter Sinfonie (c Moll, As-Dur, c-Moll, C-Dur) und im ersten Satz die traditionelle Sonatenhauptsatzform, nur steht das zweite Thema in der Reprise aufgehellt in C-Dur, statt des formal zu erwartenden c-Moll. Der elegische Rondo-ähnliche zweite Satz zeigt Griegs schon in so jungen Jahren ausgeprägte Kunst der feinen Kolorierung. Der dritte Satz lebt vom Kontrast eines kraftvollen, mitreißenden umrahmenden Teiles zu einem liedhaften Mittelteil, der wie ein Ständchen aus der norwegischen Volksmusik wirkt. Wie der Einleitungssatz ist auch das Finale der traditionellen Sonatensatzform verpflichtet, wiederum mit persönlicher Klangsprache Griegs, vor allem im zweiten Thema.
Steffen Schiel
Eckhard Wiemann schloss sein Studium bei Karl-Heinz Kämmerling (Hannover), Dominique Merlet (Paris) und Aloys Kontarsky (Köln) 1987 mit dem Konzertexamen ab. Neben seiner Unterrichtstätigkeit zunächst an der Städtischen Musikschule Paderborn und seit dem Jahr 2000 an der Universität Paderborn (Klavier und Schulpraktisches Klavierspiel) übt er eine rege Konzerttätigkeit als Solist - mehrfach auch schon mit dem Hochschulorchester Paderborn - und Begleiter aus, zunehmend mit dem Schwerpunkt Liedbegleitung in den Bereichen Chanson, Jazz und Pop. Weitere Projekte seiner vielfältigen Arbeit waren u.a. "George Plays Gershwin" - Musik-Kabarett (1998), "Marsch Movie" - Komposition für Blasorchester (2006), "Olivia" - Musicalkomposition beim Zeltsommer Paderborn (2008), "Frédérics Garten" - Crossover zwischen Chopin und Elektro, Community Dance Project Paderborn (2010), Bühnenmusik zu "Jedermann" (H.v. Hofmannsthal) beim Dalheimer Sommer (2011, Inszenierung Wolfgang Kühnhold) sowie "Bach Goes Vodou" - Crossover beim Festival Musica Sacra Paderborn (2011)
György Ligeti: Poème Symphonique für 100 Metronome
Poème Symphonique (1962) für 100 Metronome gehört wohl zu den größten Provokationen des österreichischen Komponisten ungarischer Herkunft György Ligeti (1923-2006). Die Partitur enthält nur einige Anweisungen "wie man die Metronome beschaffen, einstellen sowie aufziehen soll". Das Stück besteht aus einem einzigen großen Spannungsbogen: zu Beginn ist ein kontinuierlich scheinender Gesamtklang zu hören, der mit dem Stehenbleiben der ersten Metronome langsam ausdünnt. Allmählich schälen sich komplexe Rhythmen heraus, diese Strukturen werden deutlicher, um dann mit abnehmender Komplexität differenzierter zu werden. Bei nur noch wenigen tickenden Instrumenten nimmt die Differenziertheit wieder ab, das rhythmische Muster wird regelmäßiger. Wenn nur noch ein Metronom tickt ist das Muster vollkommen periodisch.
Die Uraufführung fand im September 1963 im Rathaus von Hilversum bei der Abschlussveranstaltung einer Musikwoche statt. Der Kontrast zwischen dem steifen, feierlichen Zeremoniell und dem musikalischen Affront hätte kaum größer sein können und war typisch für die gesellschaftlichen Umbrüche der 60er Jahre. "Der Bürgermeister von Hilversum und der spanische Botschafter hielten jeder eine Festrede. Beide sprachen über die hohen spirituellen Werte der musikalischen Kunst", erinnerte sich Ligeti, der die anschließende Premiere selbst "dirigierte". Zehn Ausführende in Frack und Abendkleid enthüllten die 100 Metronome und setzten sie genau nach Vorschrift in Gang. Als das letzte abgelaufen war, gab es zunächst "beklemmende Stille", dann "bedrohliche Protestschreie". Die anwesenden Honoratioren waren entsetzt, der Hilversumer Senat verhinderte sogar die Ausstrahlung der Fernsehaufzeichnung.
Die 100 Metronome wurden vom Hersteller Wittner (Isny/Allgäu) freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!
Walter Steffens: Semiramis - Konzert für Sopraninoblockflöte und Orchester
Walter Steffens (*1934) übte neben seiner kompositorischen eine langjährige pädagogische Tätigkeit aus, zuletzt von 1971 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik Detmold. Einen Schwerpunkt seines kompositorischen Schaffens bildet neben den Opern die Musik zu Bildern. Der Vermittlung zwischen Bildender Kunst und Musik hat er sich mit über hundert Bildvertonungen u.a. zu Werken von Bosch, Rubens, Chagall, Picasso, Klee und Munch gewidmet.
Semiramis, Tochter der Göttin Derketo und eines schönen syrischen Jünglings, wurde nach ihrer Geburt ausgesetzt, von Hirten gefunden und von Simmas, dem kinderlosen Oberhirten des Königs, großgezogen. Während ihrer Ehe mit Menon, dem Statthalter Syriens, verliebte sich der alternde König Ninos in sie und bot ihrem Gatten die Hand seiner Tochter, wenn er ihm seine Frau abtrete. Als Menon ablehnte, drohte er, ihn blenden zu lassen, worauf sich dieser erhängte und Ninos die Witwe Semiramis zu seiner Königin machte. Nach dem Tode Ninos erbaute Semiramis, um den Ruhm ihres Gatten zu übertreffen, Babylon. Die Hängenden Gärten der Semiramis waren den Berichten griechischer Autoren nach eine aufwändige Gartenanlage in Babylon und eines der Sieben Weltwunder der Antike. Die griechische Sagengestalt der Semiramis wird manchmal mit der assyrischen Königin Schammuramat gleichgesetzt.
Carl Nielsen: Sinfonie Nr. 2 „Die vier Temperamente“
Der dänische Komponist Carl Nielsen (1865-1931) gehört zu den wichtigsten Komponisten Skandinaviens. Aus einer kinderreichen Familie von der Insel Fünen stammend, studierte er am Konservatorium in Kopenhagen Violine und erhielt mehrere Stipendien. Er machte sich als Liedkomponist einen Namen, indem er Texte von Jens Peter Jacobsen vertonte und schrieb 1892 seine erste Sinfonie sowie mehrere Opern, z.B. Saul og David und Maskerade. Auch entdeckte er das dänische Volkslied wieder, erhielt ab 1901 finanzielle Unterstützung vom dänischen Staat und wurde zum 2. Kapellmeister am Königlichen Theater ernannt, anschließend unterrichtete er am Konservatorium in Kopenhagen.
In den Jahren 1901 und 1902 komponierte Nielsen seine 2. Sinfonie, in der er einen Bilderzyklus vertont, den er vermutlich in einem Dorfgasthaus in Seeland gesehen hat. Der erste Satz, Allegro collerico, porträtiert einen hoch zu Ross sitzenden, mit dem Schwert wütend um sich schlagenden - eben cholerischen - Mann. Der zweite Satz, Allegro comodo e flemmatico, ist der gemächliche Walzer eines jungen Mannes, der seine Zeit mit viel „Nichtstun“ verbringt. Nach dem schwermütigen Andante malincolico folgt im letzten Satz das lebhafte Allegro sanguineo, welches von der Darstellung eines gedankenlos voran stürmenden Mannes geprägt ist, der meint, die ganze Welt gehöre ihm und sämtliche gebratenen Tauben der Umgebung hätten ohne sein Zutun in seinen Mund zu fliegen.
Nielsen wollte seine 2. Sinfonie keineswegs als Programmmusik verstanden wissen, sondern lediglich als musikalische Umsetzung verschiedener Stimmungen.
Steffen Schiel (Ligeti, Steffens)
Josefine Hoffmann (Nielsen)
Florian Käune (*1991) hat seine hohe Begabung an der Blockflöte und sein großes musikalisches Verständnis mehrfach bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“ und „Jugend komponiert“ unter Beweis gestellt und ist jeweils auf Bundesebene als Preisträger ausgezeichnet worden. Als Schüler des Komponisten und Musikpädagogen Jörg Partzsch errang er im vergangenen Jahr mit seiner Eigenkomposition „Der Traumfänger“ in beiden Wettbewerben einen ersten Preis. Seit Oktober ist er Student an der Hochschule für Musik Detmold. Darüber hinaus ist er als Fagottist Mitglied des Paderborner Hochschulorchesters. Seine langjährige Mitgliedschaft im Paderborner Domchor und Erfahrungen in Ensembleleitung diverser Besetzungen für Alte Musik runden seinen musikalischen Werdegang ab.
Wenn Sie uns gerne hören möchten:
Der Vorverkauf startet jeweils vier Wochen vor Konzertbeginn bei der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn (Tel. 05251-603570; Kunstsilo S 0.111; nur Audimaxkonzert) sowie beim Ticket-Center, Marienplatz 2a (Tel. 05251-299750).
In der Konzertwoche befindet sich mittags auch ein Vorverkaufsstand im Mensafoyer.
Selbstverständlich können Sie auch an der Abendkasse ab 19:30Uhr Karten erwerben.
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