Reise zu den Quellen der Moldau

     Semesterkonzerte (18. + 20.Januar):
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 (Pastorale)
  • Friedrich Smetana: Die Moldau. Sinfonische Dichtung aus "Mein Vaterland"
  • Arvo Pärt: Zwei Kompositionen
Das Hochschulorchester Paderborn unter der Leitung seines Dirigenten Steffen Schiel spielt in diesem Semester ein Konzert mit großer epochaler Spannweite:
Beethovens 6. Sinfonie, die so genannte „Pastorale“,Bedřich Smetanas „Moldau“ und zwei Kompositionen des Zeitgenossen Arvo Pärt repräsentieren 200 Jahre Musikgeschichte.

Die Musik zur Moldau folgt einer programmatischen Beschreibung: Aus zwei kleinen Quellen im böhmischen Hochmoor entspringt ein Bächlein. Es schlängelt sich durch Wiesen und Wälder, vorbei an spannenden Jagdabenteuern, einer fröhlichen Hochzeit und geheimnisvollen nächtlichen Geisterwelten. Immer mehr Wasser strömt hinzu und stürzt an gefährlichen Wasserfällen herab. Hoch oben von stolzen Burgen kann man – wie früher die Ritter – auf den großen Fluss schauen, bevor er in majestätischer Breite gen Prag strömt und sich schließlich in die Elbe ergießt.

Beethovens 6. Sinfonie wird häufig als Basis der Programmmusik des 19. Jahrhunderts bezeichnet, aber ganz anders als bei Smetana schreibt Beethoven ausdrücklich, die Musik sei „mehr Ausdruck der Empfindung als Mahlerey“. Dennoch vermitteln einige Teile einen sehr plastischen Eindruck des Beschriebenen, insbesondere im vierten Satz „Gewitter und Sturm“, der auch dem Orchester viel Energie und Fertigkeiten abverlangt.

„Fratres“ und „Festina lente“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt (*1935) entstammen einer Schaffensperiode mit überwiegend ruhigen Stücken, die sich in ihrer charakteristischen Schlichtheit deutlich von seinen früheren Werken abgrenzen. Gerade diese Ruhe ist es aber, die Pärts Musik eine besondere Tiefe und Ausdruckskraft verleiht, wie es die Bedeutung des Titels „Festina lente“ verlangt: Eile mit Weile.

Auszug aus dem Programmheft:

    Der aus Estland stammende Komponist Arvo Pärt (*1935) studierte in den Jahren 1957 bis 1963 Komposition bei Heino Eller am Konservatorium in Tallinn. Während seiner Studienzeit war Pärt beim Rundfunk beschäftigt und verfasste bereits kleinere Kompositionen für Theater und Film. Durch seine Beschäftigung mit den Stilmitteln der (westlichen) neuen Musik avancierte Pärt bald zu einer zentralen Figur des musikalischen Umbruchs in der UdSSR. Dieser Stand brachte ihm zwar Skepsis, jedoch kein Aufführungs- oder Publikationsverbot seines Gesamtwerks ein. Mitte der 1970er Jahre vertonte Pärt zunehmend religiöse Texte und emigrierte aufgrund des Widerspruchs zwischen seiner temporären kompositorischen Vorliebe und dem atheistischen Staatssystem 1980 über Wien nach West-Berlin, wo Pärt noch immer ansässig ist. Sein musikalisches Schaffen lässt sich in mehrere stilistische Phasen unterteilen. Nach einer frühen expressionistischen Phase wandte sich Pärt in den 1960er Jahren den damals zeitgenössischen Modellen des Serialismus und der Collage zu. Ab 1969 dann befasste sich Pärt intensiv mit der Musik des Mittelalters und der Renaissance sowie mit der geistlichen Vokalmusik Russlands.

    Die Kompositionen fratres (1977, 1991 überarbeitet) und Festina lente (1988) – letzteres wurde 1990 uraufgeführt – stammen aus der Stilperiode, die Pärt selbst mit dem Überbegriff Tintinnabuli bezeichnete. Prägend für diesen Tintinnabuli-Stil ist die Reduktion sämtlicher musikalischer Mittel. Nora Pärt bezeichnete Tintinnabuli in einem Text von 1978 als ein Kompositionssystem beziehungsweise eine Technik, welche „in erster Linie einen neuen Zugang zum Aufbau von Mehrstimmigkeit eröffnet.“ So ist fratres geprägt von einer sich stetig wiederholenden Tonfolge, die sich dynamisch vom pianissimo (con sordino) über ein kräftiges fortissimo, zum Ende der Komposition erneut hin zum pianissimo bewegt. Die Tonhöhe der in Dezimen geführten Melodie sinkt dabei beständig und wird von einem das ganze Stück über anhaltenden Quintbordun begleitet. Im Vergleich dazu ist Festina lente ein wenig aufwändiger gestaltet. Die Violinen sind hier zu Beispiel in insgesamt vier unterschiedliche Geigenstimmen aufgeteilt. Im Zentrum der Komposition steht erneut eine einzige melodische Linie. Diese erklingt in den verschiedenen Streichergruppen in unterschiedlicher Notenlänge: den Bässen fällt hierbei die Melodie mit den längsten Notenwerten zu, in der Viola erklingt das Material in halb so langen Noten, in den Violinen wiederum erklingt die Linie im Verhältnis zu den Bratschen in doppelt schnellem Zeitmaß.


    Bedřich Smetana (1824 – 1884) wurde als elftes Kind und zugleich erster Sohn des böhmischen Bierbrauers František Smetana in Litomyš geboren. Schon früh erhielt Bedřich Smetana zunächst Geigen- dann aber Klavierunterricht und trat bereits als sechsjähriger in einer Studentenakademie auf. Nach seinem ersten Besuch in Prag war Smetana fasziniert vom dortigen gesellschaftlichen und kulturellen Leben, worauf er seine Ausbildung abbrach um sich gänzlich der Musik zu widmen   sein Vater hatte eine Beamtenlaufbahn oder einen ökonomischen Beruf für Bedřich Smetana vorgesehen. Entgegen seinem Vorhaben setzte Smetana das Studium zunächst in Pilsen fort, wo er bald zu einem gefragten Pianisten wurde. In Pilsen fasste Smetana den endgültigen Beschluss, eine musikalische Ausbildung zu absolvieren und ging mit diesem Vorhaben am 10. Oktober 1843 nach Prag.

    Die sinfonische Dichtung Die Moldau (Vltava), Smetanas wohl bekanntestes Werk und zugleich ein ideales Beispiel für den Topos „Programmmusik“, stammt aus dem sechsteiligen Zyklus Má Vlast und wurde am 4. April 1875 in Prag uraufgeführt. Die Idee zu einem derartigen Werkezyklus hatte Smetana wahrscheinlich bereits in den 1870er Jahren. In seinem Tagebuch notiert Smetana am 14. August 1870: „Heute habe ich einen Ausflug […] zu den St. Johann-Stromschnellen unternommen. […] Da haben wir Mittag gegessen […], danach sind wir mit einem Boot den Strom herab. Hohes Wasser, der Anblick der Landschaft herrlich und großartig.“ Am 7. November 1872 berichtet die tschechische Zeitschrift Hudební von Smetanas Arbeit an den sinfonischen Dichtungen Vyšehrad – ein Motiv daraus findet sich auch in der Moldau – und eben jener Vltava. Der Fluss, dem der Komponist sich in diesem Werk widmet, entspringt am Schwarzenberg im Böhmerwald. Mit einer zweiten Quelle vereint sich dieses Flüsschen dann zur Moldau, durchquert das Budweiser Becken, passiert den Vyšehrad-Felsen bei Prag und mündet schließlich in die Elbe. Die eingängige motivische Gestaltung macht das Werk bereits beim ersten Hören attraktiv. Das Plätschern des Wassers von seiner Quelle, das Anschwellen zu einem mächtigen Fluss und die gewaltigen Stromschnellen sind in den Wellenbewegungen der Holzbläser, dann vor allem der Streicher dargestellt. Wie seine Moldau tatsächlich klingt, hat Smetana selbst jedoch niemals erfahren: Am Ende der autographen Partitur notierte der Komponist, er sei völlig taub. Dadurch ergibt sich eine tragische Parallele zu Beethoven, der bekanntlich im Alter ebenfalls sein Gehör verloren hatte.


    Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) komponierte seine 6. Sinfonie in F Dur, op. 86 wahrscheinlich in den Sommermonaten der Jahre 1803 bis 1807, fertig gestellt wurde das Werk im Juni 1808. Die grundlegenden Gedanken zum musikalischen Material dieser Sinfonie kamen Beethoven vermutlich bei seinen Wanderungen in der Umgebung Wiens in den Sinn. Gemeinsam mit der 5. Sinfonie widmete Beethoven diese Komposition gleich zwei Personen: Fürst Franz Joseph von Lobkowitz und Graf Andreas von Rasumowsky sind vom Komponisten als Widmungsträger genannt. Letzterer, zu Lebzeiten Beethovens russischer Gesandter am österreichischen Hof, war bekannt als Kunstsammler, Geiger und Musikliebhaber. In der Jahren 1808 bis 1816 war Rasumowsky zudem Mitglied eines Streichquartetts, das sich bevorzugt mit der Kammermusik Beethovens befasste. Die 6. Sinfonie mit dem bezeichnenden Untertitel Sinfonia pastorale wurde am 22. Dezember 1808 im kaiserlichen und königlichen Theater Wien uraufgeführt. Beethovens Sinfonia pastorale weicht mit ihren fünf Sätzen als einzige der neun Sinfonien von der traditionellen Viersätzigkeit ab. Zudem finden sich in der Komposition – bereits der Untertitel der Sinfonie sowie die einzelnen Satzüberschriften suggerieren dies – deutlich programmatische und onomatopoetische Elemente wie beispielsweise die Vogelstimmenimitationen durch Flöte (Nachtigall), Oboe (Wachtel) und Klarinette (Kuckuck) am Ende des langsamen Satzes.


    Philemon Jacobsen

Familienkonzerte: Bedrich Smetana: Eine abenteuerliche Flussfahrt - Die Moldau

Familienkonzerte (01. November): Bedřich Smetana: Eine abenteuerliche Flussfahrt - Die Moldau.


Am Sonntag, den 1. November 2009 spielt das Hochschulorchester Paderborn zum sechsten Mal ein Konzert für Familien, es erklingt „Die Moldau“ von Bedřich Smetana (1824 - 1884). Um 11 und 15 Uhr präsentieren die Musikerinnen und Musiker des Hochschulorchesters diese abenteuerliche Flussfahrt. Das Konzert wird von Ulrike Schwanse moderiert, die Leitung hat Steffen Schiel.

Aus zwei kleinen Quellen im böhmischen Hochmoor entspringt ein Bächlein. Es schlängelt sich durch Wiesen und Wälder, vorbei an spannenden Jagdabenteuern, einer fröhlichen Hochzeit und geheimnisvollen nächtlichen Geisterwelten. Immer mehr Wasser strömt hinzu und stürzt an gefährlichen Wasserfällen herab. Hoch oben von stolzen Burgen kann man – wie früher die Ritter – auf den großen Fluss schauen. Welcher das ist, weiß inzwischen jedes Kind, denn „Fritzchen Schlagsahne“ hat ihn weltberühmt gemacht: Die Moldau! „Fritzchen Schlagsahne“ ist der aus dem Tschechischen übersetzte Name „Bedřich Smetana“. Dieser große Komponist war am Ende seines Lebens leider ganz taub und konnte seine eigene Musik im Konzertsaal selbst nicht mehr dirigieren, geschweige denn laut hören. Und dennoch hat er in Noten diese Abenteuer aufgeschrieben.
Das Familienkonzert des Hochschulorchesters Paderborn ist vor allem für Familien mit Grundschulkindern konzipiert, erfahrungsgemäß haben aber auch Geschwisterkinder und die erwachsenen Besucher viel Vergnügen am bunten Treiben auf der Bühne!

Kritiken

NW, 20.01.2010

Reise zu den Quellen der Moldau

Hochschulkonzert mit Smetana, Pärt und Beethoven

WB ohne Kritik...

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