1903 schrieb Sibelius eine Bühnenmusik zum Schauspiel Kuolema seines Schwagers Arvid Järnefelt. Daraus erhalten geblieben sind nur zwei kurze Stücke, eines davon ist der Valse triste, die Vision der sterbenden Mutter von einer Ballszene. Das eher als Gelegenheitswerk eingestufte Stück entwickelte sich zu einem Renner auf den internationalen Konzertbühnen. Es beginnt äußerst zart und verhalten mit elegischen Motiven, die Erinnerung der sterbenden Frau an ihre Jugend zelebrierend. Diese Gedanken steigern sich langsam zu ausgelassener Lebensfreude und enden dann abrupt mit dem Tod, der durch drei sehr leise Schluss-Akkorde markiert wird.
Der Kritiker Claude Rostand charakterisierte Francis Poulenc kurz und prägnant als eine "Mischung zwischen Mönch und Lausbub". Tatsächlich sind seine Kompositionen geprägt durch eine eigen- und einzigartige Mischung von Einfachheit und Witz, tiefer Empfindung und Religiosität. Poulenc gehörte zur Komponistengruppe "Le Six", jenen sechs jungen Komponisten, die um 1920 in Paris das Synonym für die Avantgarde waren.
Das Concert champêtre (Ländliches Konzert) schrieb Poulenc 1927/28 für die berühmte Cembalistin Wanda Landowska, die das Werk weltweit aufführte. Ländlich ist diese Komposition allerdings nicht im Sinne eines romantischen Klangbildes einer wilden, entlegenen oder einsamen Natur, vielmehr setzt Poulenc einen bestimmten geographischen und historischen Rahmen: Die Umgebung von Paris zur Zeit von Couperin und Rameau.
Das dreisätzige Werk (Haupttonart D-Dur) ist in einer äußerst freien Form geschrieben, zwischen den Ecksätzen bestehen zahlreiche thematische Beziehungen. Im Sicilienne zitiert Poulenc ein altes französisches Weihnachtslied, der dritte Satz, geprägt von guter Laune und überschäumender Spielfreude endet einsam und düster in d-Moll. In den Worten von H. Halbreich: "die üppigen Belaubungen des Waldrandes sind nun menschenleer, das Fest im Schlosspark ist zu Ende…"
Die Eigenarten der 3. Sinfonie von Johannes Brahms zu beschreiben scheint äußerst schwierig zu sein. Die einen vergleichen sie mit Beethovens Eroica und Schumanns Rheinischer Sinfonie, assoziieren den "Zauber des Waldlebens" (Clara Schumann, s.u.) oder betiteln sie als Faust-Sinfonie, andere kritisieren eben diese poetischen Inhaltsdeutungen und sehen sie als absolute Komposition, als "tönend bewegte Formen". Ob Brahms selber eine programmatische Musik schreiben wollte oder gerade einen Gegenpol zur Programmmusikschwemme seiner Zeit suchte, wird ungeklärt bleiben.
Clara Schumann schreibt am 11.2.1884 an Brahms:
"Welch ein Werk, welche Poesie, die harmonischste Stimmung durch das Ganze, alle Sätze wie aus einem Gusse, ein Herzschlag, jeder Satz ein Juwel! - Wie ist man von Anfang bis zu Ende umfangen von dem geheimnisvollen Zauber des Waldlebens! Ich könnte nicht sagen, welcher Satz mir der liebste? Im ersten entzückt mich schon gleich der Glanz des erwachten Tages, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume glitzern, alles lebendig wird, alles Heiterkeit atmet, das ist wonnig! Im zweiten die reine Idylle, belausche ich die Betenden um die kleine Waldkapelle, das Rinnen der Bächlein, Spielen der Käfer und Mücken - das ist ein Schwärmen und Flüstern um einen herum, daß man sich ganz wie eingesponnen fühlt in all die Wonne der Natur. Der dritte Satz scheint mir eine Perle, aber es ist eine graue, von einer Wehmutsträne umflossen; am Schluß die Modulation ist ganz wunderbar. Herrlich folgt dann der letzte Satz mit seinem leidenschaftlichen Aufschwung: das erregte Herz wird aber bald wieder gesänftigt, zuletzt die Verklärung, die sogar in dem Durchführungs-Motiv in einer Schönheit auftritt, für die ich keine Worte finde."
Steffen Schiel
Von Kristina von Twistern
Paderborn (WV). Mit "Finnlands Stimme der Welt" eröffnete das Hochschulorchester sein Semesterabschlusskonzert am Montagabend im Audimx der Universität: Gleichsam als Ouvertüre war Jean Sibelius' "Valse triste" zu hören, ein trauriges und gleichzeitig fröhliches kurzes Stück.
Von Ulla Meyer
Paderborn. "Alle Werke enden leise, deshalb wäre es schön, wenn Sie jetzt Ihr Handy ausmachen würden." Steffen Schiel, nun seit gut drei Jahren "Chef" des Paderborner Hochschulorchesters, weiß mit dem Publikum umzugehen. Sogar ein Lob war drin: "Beim letzten Konzert war es hier viel voller. Aber da gabs auch Filmmusik. Sie besuchen hier ein anspruchvolles Konzert und dürfen sich daher zur Elite zählen."
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