
Das
Graduiertenkolleg „Automatismen“ widmet seine Ringvorlesung im
Sommersemester 2010 dem Verhältnis zwischen Praktiken und Automatismen.
Das Kolleg definiert Automatismen als Abläufe, die sich einer bewussten
Kontrolle weitgehend entziehen. Wie Praktiken – definiert als ein Nexus
von kollektiven Sinnmustern, Dingen und Handlungsabläufen – sind sie im
Spannungsfeld zwischen Autonomie und Struktur zu verorten. Die Vermutung
liegt nahe, dass im praktischen Vollzug der Kultur, des Wissens, der
Wissenschaften, des Alltags, der Bewegung – im iterativen Doing –
Automatismen zum Tragen kommen.
Die zentralen Fragestellungen,
denen sich das Graduiertenkolleg mit der Ringvorlesung widmen möchte,
lauten dementsprechend: Wie zeichnet sich die Wirkmächtigkeit von
Automatismen in spezifischen Praktiken ab? Welche Rolle spielen
Praktiken bei der Genese von Automatismen?
Die Ringvorlesung soll dazu beitragen, den Begriff der Praktiken aus der Perspektive der Automatismen an bestimmten Fallbeispielen zu konkretisieren. Hierzu wurden VertreterInnen verschiedener praxeologischer Ansätze sowie aus den unterschiedlichen am Kolleg beteiligten Fachrichtungen eingeladen, um in einem fachübergreifenden Dialog der Frage nach dem Zusammenspiel von Praktiken und Automatismen sowie deren Abgrenzung nachzugehen.
Während sich die Bezüge zwischen Sprache und Körpersprache in spontanen Face-to-face-Kommunikationen quasi-automatisch entfalten, müssen Sprach-Bild-Bezüge in technischen Medien gestaltend hergestellt und nach Möglichkeit kontrolliert werden. So entstehen durch kulturelle Praktiken genretypische Sprach-Bild-Ton-Zeichen, z.B. in Talkshows, wo die Kameraarbeit die sprachliche und körperliche Performanz der Akteure gliedernd und kommentierend überschreibt. Solche Verfahren sind theoretisch und empirisch zu beschreiben, u.a. durch (hier exemplarisch vorgeführte) Produktanalysen.
Die Figur des ‚users’ erhält ihre Plausibilität sowohl durch Absetzung von älteren Modellen medialer Praktiken – etwa spectator (Kino) und viewer (Fernsehen) – als auch durch eine spezifische und selektive Beschreibung aktueller technischer und ökonomischer Veränderungen. Durch einen historischen Vergleich mit älteren Konzeptionen medialer Praktiken (etwa als Rezeption oder als Zirkulationsprozess) soll gezeigt werden, dass diese Figur des ‚users’ keineswegs nur einen Sachverhalt beschreibt, sondern selbst in die Hervorbringung medialer Praktiken involviert ist. Zugleich kann so diskutiert werden, inwiefern die Praktiken der ‚user’ – und ggf. mediale Praktiken generell – überhaupt nur als Effekte von bestimmten Regulierungsstrategien denkbar sind.
Der Vortrag stützt sich auf drei miteinander zusammenhängende Erfahrungsbereiche in der Softwaretechnik: die Untersuchung von Methoden für die Softwareentwicklung, die Unterstützung evolutionärer und partizipativer Softwareentwicklung durch den Ansatz STEPS sowie die allgemeine Charakterisierung von Computerartefakten und ihres Einsatzes als autooperationale Form und situiertes Handeln. Dabei werden situierte Prozesse, in denen sich jeweils einmaliges Handeln entfaltet und vollzieht, von geplanten Prozessen, wie sie zum Beispiel in Prozessmodellen festgelegt sind, unterschieden und ihre Wechselwirkung hinterfragt. Informatische Modellierung wird als operationale (Re-)Konstruktion eines interessierenden Gegenstandsbereiches aufgefasst, wobei vorfindliche operationale Form nachgebildet oder neue operationale Form geschaffen wird. Die resultierende autooperationale Form, in Computerprogrammen implementiert, wird bei Ausführung dieser Programme in menschlichen Kontexten wirksam und verändert diese Kontexte. Im Sinne der Ringvorlesung wird dabei besonders beleuchtet, wie diese Praktiken zur Strukturentstehung führen und inwieweit die entstehende Struktur planbar ist.
Jagdfallen sind animal machines in einem sehr speziellen Sinne: Sie funktionieren als technische Apparate genau nur dann, wenn sie die Lebensweise ihrer Opfer möglichst präzise implementieren. Deshalb können sie als symbolische Maschinen verstanden werden, die bestimmte Praxen voraussetzen und diese apparativ reproduzierbar machen, ohne dabei jedoch zu bloßen Automaten zu werden. Vielmehr lässt sich am Beispiel der Jagdfallen der Umschlag kontingenter Handlungen in ritualisierte Kulturtechniken aufzeigen. Der Vortrag thematisiert vor diesem Hintergrund die Wechselwirkung von Praxis, Automatisierung und symbolischer Überformung.
Die Darstellung von Geschlechtszugehörigkeit ist ein besonderer Fall von Kommunikation. Sie verläuft in weiten Teilen über nicht-sprachliche Zeichen wie Kleidung, Frisur, Gang, Mimik und Gestik, und sie mobilisiert ein präverbales, körperliches Wissen. Die Vorlesung wird über die Theorie und Empirie habitueller Geschlechtsdarstellungen informieren; über die Instruktivität von Wahrnehmungskrisen und das Wissen, das der Körper seinem Bewohner voraus hat.
This
lecture provides first a critical response to current prominent debates
on 'affective labour' 'immaterial labour' and 'creative and cultural
labour' as these have emerged from the Operaismo School associated with
Hardt and Negri, Lazzarato and Paulo Virno. In the second part of the
lecture I offer a response to existing debates on gender and labour in a
context of seeming norms of 'egalitarian' work cultures and flat
hierarchies and finally I offer an argument about the prevailing
institutional terms and conditions (including those of education and
pedagogy) which underpin young women's involvement and investment in
fields of creative-precarious labour.
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Steffi Richter ist Professorin für Japanologie am Ostasiatischen Institut der Universität Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kultur-, Ideen- und Intellektuellengeschichte des neuzeitlich-modernen Japan, Konsumkultur und moderne Identitäten in Japan/Ostasien, Geschichtskultur, -bewußtsein und -revisionismus in Japan/Ostasien sowie 'Cool Japan': Japans Pop-Kultur, ihre Globalisierung und postmoderne Subjekte.
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