

Projektbeschreibung
Performative
algorithmische Kunst im Kontext ästhetischer Theorien und
evolutionstheoretischer Paradigmen (Arbeitstitel)
Beim
Zusammentreffen von Computertechnik und Ästhetik sollte nicht zwangsläufig
vorausgesetzt werden, dass eine technische Entwicklung, etwa für eine Arbeit in
der Kunst, zweckentfremdet wird. Vielmehr gehe ich davon aus, dass oft schon ästhetische
Konzepte in technischen Entwicklungen wirkmächtig wurden. Ästhetik bezeichnet
dabei ein Aushandlungsfeld verschiedener verteilungs-, wissenschafts- und
geschlechtspolitischer Konstellationen. Philosophen wie Baumgarten, Burke oder
Kant schrieben vor dem Hintergrund des sich etablierenden Bürgertums und der
sich herausbildenden nationalökonomischen Ordnungssysteme. Über den Zugang der Ästhetik
ließen sich Fragen stellen wie: ‚Was ist der Mensch? Wie verhält sich das
Denken zur Sinnlichkeit?’ Die Ästhetik wurde so zum Prüfstein verschiedener
Theorien biologischer und gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse.
Gerade dort, wo algorithmische und rechnergestützte Methoden in der Kunst entstehen, lassen sich Bezugnahmen zu solchen vielleicht verschwunden geglaubten Konzepten finden, alte Konfliktlinien brechen wieder auf. Bei regelbasierten Arbeitsweisen der algorithmischen Kunst ergibt sich darüber hinaus ein Spannungsverhältnis zu performativen Verfahren wie Live Coding, Live Electronics oder Live Video Art. In diesem Zusammenhang betrachtet das Dissertationsprojekt Arbeitsweisen der performativen algorithmischen Kunst. Einerseits geht es dabei um die Genese verschiedener ästhetischer Entwicklungsmodelle der ungeplanten Strukturentstehung (Automatismen), andererseits werden Techniken der computergenerierten Kunst als gleichberechtigte Denkmodelle herangezogen, deren Konzeptionen befragt werden.
Studium:
Hochschule für bildende Künste Hamburg: Visuelle Kommunikation / Medien, LFB: digitale Systeme, Diplom Februar 2008
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik: Sozialwissenschaft, Diplom April 2004
Artikel
und Vorträge (Auswahl):
Die unsichtbare Hand schütteln – Tausch und Zirkulation in ungeplanten Strukturen. In: Ungeplante Strukturen: Tausch und Zirkulation. Herausgeber: Maik Bierwirth, Oliver Leistert und Renate Wieser. Fink Verlag 2010.
Labore der Kunst. Bei: Strukturentstehung durch Verflechtung? Workshop zur Akteur-Netzwerk-Theorie 27.-29.05.2010, Universität Paderborn (Publikation in Vorbereitung)
Some
aspects of computational art in the 20th century. Im: Séminaire Sciences, Légitimités,
Médiations. Maarten Bullynck, Universität Paris 8
Christine
Ehardt, Renate Wieser: Tune in to reality: Stimme und Geschlecht. Vortrag bei
der Tagung: Inszenierung von "Weiblichkeit". Zur Konstruktion von Körperbildern
in der Kunst. Januar 2010, Tanzquartier Wien (Publikation im Erscheinen)
Phaidros-Maschine,
in: Prototypisieren. Eine Messe für Theorie und Kunst, thealit, Bremen 2009.
Phaedrus Machine: A Sonified Myth as Auditory Game, Wesleyan University Music Dept, SuperCollider Symposium 2009
Signifikantenstadl: Die 70er. Gespräch zu Pädagogik, Mengenlehre und Kunst, im Rahmen der Ausstellung ‚Mutualité. Kurd Alsleben und Antje Eske. Von der Computerzeichnung zur Netzkunstaffaire 1961-2006‘ Kunsthalle Bremen, 2007.
The Meaning of Live, LOSS Livecode Symposium. Vortrag zum kulturellen Kontext von Live Coding mit Julian Rohrhuber. Sheffield 2007
Renate
Wieser, Julian Rohrhuber: The Invisible Hand, in: Goriunova, Readme 100,
Temporary Software Art Factory, Norderstedt 2006.
Die Unsichtbare Hand. Im Rahmen von Theorie und Spekulative Praxis, Kunstverein Hannover (mit Julian Rohrhuber). Vortrag über vergangene und gegenwärtige Probleme des Emergenzparadigmas, über künstlerische Intervention und die Invisible Hand Machine.
Alberto de Campo, Julian Rohrhuber, Renate Wieser: Algorithms Today - Notes on Language Design for Just In Time Programming, in: Proceedings of International Computer Music Conference ICMC, Barcelona, 2005
Hörspielinstallation:
Survival of the Cutest, Kunstverein Hamburg 11.10.2008 - 04.01.2009
Seminare und Workshops (Auswahl):
The Nature of Nature - How Arty is Darwinism?: Fachtheorie-Seminar mit Alberto de Campo. UdK, Berlin. Sommersemester 2010
Algorithmic Acoustics -
Alternate Physics and Experimental Programming, Workshop mit Julian Rohrhuber. Inmotion,
Porto 2009
Networking, extended algorithms, live coding in hybrid systems, Workshop mit Julian Rohrhuber. Inmotion, Porto 2009
Gilles Deleuze / Félix Guattari, mit Maik Bierwirth, Paderborn Sommersemester 2009
Sägezahn und Rosa Rauschen - Einführung in die Klangprogrammierung und in Grundphänomene der Akustik, Paderborn Wintersemester 2008/09
Live Coding mit SuperCollider. Workshop an der Hochschule für Kunst, Bremen. Veranstaltungsreihe: "... an der Sache vorbei" mit Julian Rohrhuber, Bremen 2007
Organisation von Tagungen:
Verteilt. Vertauscht. Verhandelt. Entstehung ungeplanter Strukturen durch Tausch und Zirkulation in Kultur und Medien, mit Maik Bierwirth und Heike Derwanz. Paderborn 2009
Mathematik für Künstler, Symposium for Mathematics, HfbK Hamburg, mit Julian Rohrhuber. Vorträge und Workshops: Maarten Bullynck, Michael Renton, Elizabeth DeMol, Anthony Moore und Alberto de Campo. Hamburg 2005.
Changing Grammars, Symposium for Live Audio Programming, HfbK Hamburg 2004
Renate
Wieser
Universität
Paderborn
Graduiertenkolleg
Automatismen
Warburger
Str. 100
33098
Paderborn
E-Mail:
rwieser[at]mail.uni-paderborn.de
Index A-Z | Impressum | Webmaster | Login | Geändert am: 13.12.2011