

Ausgangsthese des Projekts ist, dass heute in Alltagsdiskursen die Möglichkeit ironischer Kommunikation permanent mitgedacht werden muss. Potentiell ironische Verhaltensweisen zeigen sich als besonders geeignete Reaktion auf heterogene und sich widersprechende Anforderungen an die/den EinzelneN: Bestimmte Standpunkte und Verhaltensweisen werden mit dem Verweis auf Ironie auch (oder gerade) da akzeptiert, wo sie ‚ernst gemeint‘ tabu wären. Die Doppelbewegung der Ironie, die sowohl Identifikation als auch Distanzierung umfasst, erlaubt sogar dann eine Stellungnahme, wenn Begriffe, auf die sie sich bezieht, nicht mehr klar identifiziert werden können. Ironische Abgrenzung ist zugleich auch immer die Aneignung des Anderen, des eigentlich nicht Gemeinten.
Das Projekt untersucht, wie Diskurse, die sich längerfristig (potentiell) ironisch auf Begriffe von Nation, Gender und Hipness beziehen, deren hegemoniale Konzeptionen verändern. Bei anhaltend ironischer Positionierung zum eigenen Nationalbewusstsein, ironischer Identifikation mit bestimmten Gender-Klischees oder abseitigen, ‚uncoolen‘ Erscheinungen entsteht ein Schwebezustand, in dem oft der/die Handelnde selbst nicht mehr zwischen Ironie und Authentizität, zwischen Rollenspiel und Ernst unterscheiden kann, während der performativ vollzogene Akt bleibt. Ironie dient hier als Mittel zur Reduktion von Komplexität. Im Hinblick auf die zu untersuchenden Themengebiete wird dieses Phänomen zum Teil einer Massenbewegung. Von einander unbekannten Beteiligten wird eine Entwicklung in Gang gesetzt und unterhalten, die im Rahmen der Normalisierung des Kommunizierten/Praktizierten Resultate hervorbringen kann, die von den einzelnen Beteiligten nicht geplant und u.U. nicht gewünscht sind. Möglich sind sowohl die Re-Stabilisierung überkommender Klischees, als auch die Chance, neue (Selbst-)Entwürfe zu probieren und zu etablieren.
In English
Collective Irony – Nation, Gender, Hipness (working title)
The project is based on the assumption that each message in everyday communication incorporates the possibility of irony, allowing a variety of possibilities to continue discourse. Irony displays a means which enables the agent to deal with competing and contradictory challenges: He or she can behave or represent themselves in certain ways, but refer to irony in situations in which these seem less appropriate. The gesture of irony as both identifying and distancing always inherently includes the ‘Other’.
My research aims to examine the development of concepts of nation, gender and hipness at times when reference to them is frequently ironic. The subversive as well as the re-stabilizing capacities of irony can result in outcomes that are not intended or desired by the individual agents.
Curriculum Vitae
Biographie:
seit Mai 2011
Promotionsstudentin, Stipendiatin am Graduiertenkolleg Automatismen
Berufstätigkeit
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, von dort abgeordnet ins Bundesministerium für Bildung und Forschung (Wissenschaftskommunikation, Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit); zuvor Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit im Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds
2005-2008
University of Wales Swansea (Großbritannien): MA in the Diversity of Contemporary Writing (Politik, Kultur, Ästhetik)
2001-2005
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Anglistik, Germanistik, Komparatistik, Italienisch, Philosophie, Pädagogik, Kunstgeschichte
2000-2001
Università per Stranieri di Siena (Italien): Italienische Sprache und Kultur
Kontakt
Lioba Foit
Universität Paderborn
Graduiertenkolleg Automatismen
Warburger Str. 100
33098 Paderborn
Telefon: 05251 / 60 - 3772
E-Mail: lfoit[at]mail.upb.de
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