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Experimentalvortrag Chemie

Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

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Laserprojektionen im HNF

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Manometer einer CO2-Löschanlage

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| Forschungsporträt

Stigma Hauptschule

Prof. Dr. Bettina Kohlrausch deckt mit ihren Studien soziale Ungleichheit im Bildungssystem auf

15 Prozent der unter 34-Jährigen bleiben ohne Ausbildung: Woran scheitern sie und mit welchen Maßnahmen kann man ihnen helfen? Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, neue Soziologieprofessorin an der Fakultät für Kulturwissenschaften, ist Expertin für Berufsbildung und will mit ihrer Forschung sozialer Ungleichheit entgegenwirken.

In einer Längsschnittstudie hat sie Hauptschüler aus Niedersachsen ab der 8. Klasse über sieben Jahre begleitet, parallel dazu Ausbildungsbetriebe befragt. Ein Ergebnis: „Wenn Betriebe keine Hauptschüler anstellen, liegt das nicht so sehr an mangelnden kognitiven Fähigkeiten oder fehlenden Kompetenzen, sondern einfach an dem Merkmal ‚Hauptschule‘.“ Der Diskreditierungsmechanismus sei inzwischen so weit fortgeschritten, dass die Absolventen per se keine Chance hätten: „Der Hauptschulabschluss ist als Bildungszertifikat weitestgehend entwertet.“  

Verlorenes Potenzial

Bettina Kohlrausch fordert, dass Betriebe ihre Einstellung überdenken und dass das mehrgliedrige Schulsystem grundsätzlich in Frage gestellt wird. Sie beschäftigt sich aber vor allem damit, wie den betroffenen Jugendlichen kurzfristig geholfen werden kann. „Die meisten sogenannten Übergangsmaßnahmen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sind völlig unstrukturiert und gehen an den Bedürfnissen vorbei.“ Gute Erfahrungen gebe es aber beispielsweise mit Langzeitpraktika und generell Maßnahmen, die stark ans Ausbildungssystem und die berufliche Praxis gekoppelt sind.

Neben den persönlichen Schicksalen geht es der Bildungssoziologin dabei auch um die gesellschaftliche Frage, wie angesichts des Facharbeitermangels das Potenzial der arbeitslosen Jugendlichen besser genutzt werden kann und wie diese insgesamt in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Für Bettina Kohlrausch entscheidet sich letztlich auch die Frage der Integration von Flüchtlingen über den Zugang zur Arbeit: „Erwerbstätigkeit ist als Integrationsfaktor eine wichtige Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe.“

Keine Trennung zwischen beruflicher und akademischer Bildung

Die Bildungsexpertin sucht auch nach den Gründen, warum – wie immer wieder Studien beweisen – Kinder aus Nicht-Akademiker-Haushalten seltener studieren: „Das Schulsystem ist durchlässiger geworden: Viele Jugendliche haben inzwischen die Berechtigung, studieren aber nicht.“ Ihren Untersuchungen zufolge sind es tatsächlich weniger finanzielle Gründe, die die Entscheidung für oder gegen ein Studium beeinflussen. Eine große Rolle spiele das sogenannte kulturelle Kapital, auf das Jugendliche zurückgreifen können. „Großen Einfluss hat, welchen Stellenwert Bildung im Elternhaus hatte, wie zum Beispiel der Zugang zu Büchern war oder ob es eine Kommunikation über Politik und Gesellschaft gab.“

Ein neuer Forschungsschwerpunkt an der Uni Paderborn wird für Bettina Kohlrausch die Berufsbildung 4.0 sein. „Mit den Anforderungen einer weitestgehend automatisierten Produktion muss die Frage nach der Qualifizierung von Arbeitnehmern völlig neu gestellt werden. Der Arbeitsmarkt in der Industrie 4.0 birgt ein hohes Risiko für die Verschärfung sozialer Ungleichheit, wenn das Bildungssystem nicht entsprechend angepasst wird.“ Die Notwendigkeit lebenslangen Lernens und der Weiterbildung wird weiter zunehmen, prognostiziert die Expertin, ebenso der Trend zur Akademisierung von Berufen bei gleichzeitiger „Beruflichung“ des Studiums. Langfristig, meint Bettina Kohlrausch, wird die Trennung zwischen beruflicher und akademischer Bildung an Bedeutung verlieren.

Text: Frauke Döll

Die Universität der Informationsgesellschaft