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Experimentalvortrag Chemie

Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

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Laserprojektionen im HNF

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Manometer einer CO2-Löschanlage

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| Forschungsporträt

Sprachpraxis im Mittelpunkt

Mit seiner Forschung zur Gegenwartssprache und zu dialogischen Lehrmethoden will Prof. Dr. Christoph Bürgel den Fremdsprachenunterricht verbessern

Christoph Bürgel ist neuer Professor am Institut für Romanistik und forscht dort zur wissenschaftsbasierten und berufsfeldbezogenen Qualifikation von Lehrern/innen für Französisch und Spanisch. Dazu gehören empirische Studien zum status quo an deutschen Schulen sowie die Entwicklung und Evaluation neuer Unterrichtsmethoden.

Mit standardisierten Tests ermittelt Christoph Bürgel die Sprachkompetenzen sowohl von Französisch und Spanischschülern als auch -Lehrern – mit ernüchternden bis alarmierenden Ergebnissen: „Wir haben an  niedersächsischen Gymnasien exemplarisch das Hör- und Leseverstehen von Schülern mit Französisch als zweite Fremdsprache untersucht und sehr große Defizite festgestellt: Authentische Lese- und Hörtexte wurden am Ende der Sekundarstufe I kaum verstanden.“

Lernen von alltagsrelevanten Sprachbausteinen

Für Christoph Bürgel muss die Sprachpraxis im Mittelpunkt des Fremdsprachenunterrichts stehen: Schüler sollen befähigt werden, flüssige und korrekte Alltagsunterhaltungen zu führen, und Sicherheit im kommunikativen Handeln entwickeln. Dazu stehe nicht das Lernen von Einzelwörtern oder Grammatik, sondern von typischen Sprachbausteinen und Konstruktionen, im Vordergrund. Fremdsprachenunterricht bedeute kommunikatives Vermitteln, Einüben und Anwenden alltagsrelevanter Sprachbausteine: „Lernen die Schüler nur Einzelwörter, besteht die Gefahr, dass sie beim Sprechen auf ihre Muttersprache zurückgreifen und 1:1 übersetzen, was häufig falsch ist.“

Damit Französisch- und Spanischschüler ihre Gedanken, Wünsche und Gefühle situationsangemessen und adressatenorientiert äußern können, hat Christoph Bürgel eine Dialogschulung entwickelt: Ausgehend von der szenischen Präsentation eines Dialogs durch die Lehrkraft, z. B. das Aushandeln einer Freizeitaktivität, benennen die Schüler die verstandenen und neuen Sprachelemente, die sie dann in mehrstufigen Phasen kommunikativ einüben. Abschließend wenden sie die neuen Konstruktionen in einem komplexen Transferdialog an. „Dieses Vorgehen scheint sehr lernwirksam zu sein. Erste Videoanalysen zeigen, dass die Sprechfähigkeit von Schülern schon nach einem Jahr sehr viel höher liegt als sonst nach vier bis fünf Jahren. Wichtig ist dabei auch der motivierende Aspekt: Die kompetente Bewältigung von Kommunikationssituationen ist mit positiven Emotionen verbunden und motiviert die Lerner, ihre kommunikative Kompetenz stetig weiterzuentwickeln.“

Spezifische Textmerkmale als Lesefilter

Auch im Bereich des Text- und Leseverstehens hat Christoph Bürgel eine neue Methode konzipiert: Mit einer Dechiffrierungs- bzw. Filtermethode sollen Schüler den Sinn von Texten leichter erfassen können. Dafür hat Christoph Bürgel die spezifischen Merkmale verschiedener Textsorten herausgearbeitet:  „Kommentare beispielsweise haben meist eine bestimmte, argumentative Struktur, die durch spezielle sprachliche Mittel markiert wird. Wenn sich Schüler in einem ersten 'Filterdurchgang' daran orientieren, können sie die argumentativen Schalt- und Kernstellen erfassen und laufen nicht Gefahr, sich im Text zu verlieren.“

Obwohl Christoph Bürgel Reformbedarf für den Fremdsprachenunterricht sieht, plädiert er dafür, Veränderungen der Praxis nur behutsam und wohldosiert einzuführen. Wichtig sei ein enger Dialog zwischen universitärer Fremdsprachendidaktik und der Schulpraxis. Dabei will er auch die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher Forschung verstärkt für den Unterricht aufbereiten: In seinen Studien zum Gegenwartsfranzösisch hat er nicht nur die aktuelle Schriftsprache, sondern auch die gesprochene Sprache berücksichtigt und dafür einen großen Korpus an Aufzeichnungen möglichst authentischer Gespräche – z. B. Telefonate – analysiert. Die Ergebnisse will er für die Konzeption neuer Schülerwörterbücher und -grammatiken nutzbar machen, um die Sprache so darzustellen, wie sie tatsächlich verwendet wird.

Text: Frauke Döll

Kontakt: Prof. Dr. Chrisoph Bürgel, H 2.115, 05251 60-2384

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