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Experimentalvortrag Chemie

Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

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Laserprojektionen im HNF

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Manometer einer CO2-Löschanlage

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| Forschungsporträt

Sprache erschließt die Welt

Prof. Dr. Katharina Rohlfing untersucht, wie Babys sprechen lernen

Wie lernen Kinder zu kommunizieren und welche Bedeutung hat Sprache für ihre kognitive Entwicklung? Psycholinguistin Katharina Rohlfing ist neue Professorin im Fach Germanistik in der Fakultät für Kulturwissenschaften. An der Grenze zwischen Entwicklungspsychologie und Linguistik untersucht sie Lernprozesse bei Säuglingen und Kleinkindern und leitet daraus ab, mit welchen Maßnahmen und Hilfsmitteln sich diese Prozesse unterstützen lassen.

„Meine Grundfragestellung lautet: Wie wird aus einem Säugling ein sprachkompetenter Mensch? Mit unseren Sinnen machen wir Menschen Erfahrungen, die zu Konzepten und Ideen von Wirklichkeit umgesetzt und in Sprache ausgedrückt werden. Umgekehrt beeinflusst aber auch Sprache unsere Wahrnehmung, bereits im Babyalter: Sprache ist ein Werkzeug, um sich die Welt zu erschließen.“ Und so ermögliche Sprache Kindern beispielsweise auch neue Handlungen, z. B. Wünsche zu kommunizieren.

Den Sprach- und Gedächtnisprozessen ist Katharina Rohlfing mit experimentellen Methoden auf der Spur: Im Labor wird das Interaktionsverhalten zwischen Eltern und Kindern aufgezeichnet und analysiert, z. B. die Augenbewegungen des Kindes über Eye-Tracking-Verfahren gemessen. Dabei geht es nicht nur um lautsprachliche Kommunikation, sondern auch um Mimik und Gestik: Vor allem Handgesten sind bei Kleinkindern ein wichtiges Mittel des Ausdrucks.

Gestische Kommunikation bei Kindern

In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt untersucht Katharina Rohlfing die gestische Kommunikation bei Kindern zwischen 12 Monaten und 3 Jahren und deren Korrelation zum Spracherwerb. „Wir haben in der Studie einen Zusammenhang zwischen den gestischen und sprachlichen Fähigkeiten der Kinder festgestellt: 12 Monate alte Babys, die zum Zeigen auf einen Gegenstand den Zeigefinger nutzen, lernen tendenziell schneller sprechen als solche, die mit der ausgestreckte Hand zeigen. Im weiteren Schritt wollen wir untersuchen, ob dieses Ergebnis genutzt werden kann, um ‘echte Risikokinder’, deren Eltern von einer Beratung profitieren könnten, zu unterscheiden von Kindern, die einfach nur ein bisschen mehr Zeit zum Sprechen Lernen brauchen.”

Um festzustellen, wie Sprachförderung aussehen kann und welche Erfahrungen dabei helfen können, Wörter langfristig im Gedächtnis zu etablieren, studiert Katharina Rohlfing auch, warum gerade Vorlesen günstig für das Sprachelernen ist. „In einem Setting mit Eltern und Kindern beobachten wir, was an dieser Vorlesesituation so exklusiv ist. Wir finden, dass es die hohe Dichte an pädagogischem Strategien ist: Im Vergleich zum freien Spielen zeigen und benennen die Bezugspersonen hier in einer wesentlich höheren Frequenz konkrete Dinge und lassen vor allem die Kinder auch aktiv diese Benennungen mitgestalten.“

Roboter als Lernassistenten

Ob die Vorteile einer sozialen Interaktion sich auch mit einem sozialen Roboter realisieren lassen, untersucht die Psycholinguistin in Studien mit Robotern und Kindern. „Das ist ein sehr neues Feld und es ist wichtig dabei zu betonen, dass diese Roboter kein Ersatz für Bezugspersonen sein sollen. Wir möchten herausfinden, welche Rolle Roboter in einer Interaktion mit Kindern einnehmen können, z. B. die eines Assistenten oder eines Lerners, dem die Kinder etwas beizubringen versuchen.“ Besonders schüchternen Kindern könnten Roboter eventuell helfen, Interaktionen ohne belastenden sozialen Erwartungsdruck herauszulocken.

Für solche Projekte arbeitet Katharina Rohlfing eng mit Informatikern zusammen. Die haben ihrerseits auch einen Nutzen aus dieser Kooperation: Sie verwenden die psycholinguistischen Erkenntnisse, um Roboter auf Lernverhalten zu programmieren. „Bei unseren Messungen haben wir entdeckt, dass Bezugspersonen ihre Bewegung und Sprache an die pädagogische Situation anpassen: Die Bewegungen werden etwa sehr vereinfacht und verlangsamt.“ Aus diesen Parametern entwickeln Informatiker Algorithmen, die dem Roboter signalisieren, dass er eine demonstrierte Handlung imitieren soll.

Text: Frauke Döll

Kontakt: Prof. Dr. Katharina J. Rohlfing, TP21.2.07, 05251 60-5517

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