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Experimentalvortrag Chemie

Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

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Manometer einer CO2-Löschanlage

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Internationale Unternehmensbesteuerung: Einheitliche Systeme vs. Steuersouveränität

Jun.-Prof. Regina Ortmann will mit ihrer Forschung herausfinden, wie internationale Unternehmensbesteuerung strategische Entscheidungen multinationaler Konzerne beeinflusst.

Steueroasen: Gerade hat die Europäische Union ganze 17 davon auf eine schwarze Liste gesetzt. Die hitzige Debatte um fragliche Steuerpraktiken ist nicht erst seit der Enthüllung der sogenannten Paradise Papers ein Dauerbrenner. Trotzdem sind gerade steuerliche Vorteile für Unternehmen ausschlaggebende Wirtschaftsfaktoren und gelten häufig als treibende Kräfte hinter großen Investitionsentscheidungen. Jun.-Prof. Regina Ortmann, seit Oktober Inhaberin der Juniorprofessur für International Business Taxation, will mit ihrer Forschung herausfinden, wie derartige Aspekte strategische Entscheidungen multinationaler Konzerne beeinflussen.  

„Bislang gibt es in der EU eine Reihe verschiedener Steuersysteme, die sich länderspezifisch unterscheiden. Diese Vielzahl an unterschiedlichen Steuersystemen bietet einigen Konzernen große steuerliche Gestaltungsspielräume, birgt aber für einen Großteil auch deutliche Nachteile. Für multinationale Konzerne, die Unternehmensstandorte in mehreren Ländern haben, kommt der große bürokratische Aufwand bei der Geschäftsabwicklung einer Investitionshürde gleich. Was fehlt, sind einheitliche steuerliche Rahmenbedingungen“, erklärt Ortmann.

Das sogenannte GKKB-System soll als Lösung für Europa Abhilfe leisten: Seit 2011 gibt es einen Vorschlag für eine europaweite Richtlinie, die einheitliche Regeln für die Berechnung steuerlicher Gewinne festlegt. Durch die Gemeinsame Konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB) müssen Konzerne nicht den Regeln vieler verschiedener nationaler Systeme folgen, sondern nur einem einzigen, „was die Investitionsentscheidungen maßgeblich verändert und die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Investitionsstandort für multinationale Konzerne steigert“, so Ortmann. „Im Ergebnis gibt es dann eine Konzernbesteuerung, die für alle europäischen Niederlassungen eines Unternehmens gilt, die Steuerschlupflöcher stopft und Unsicherheit in Besteuerungsfragen abbaut. Unternehmensgewinne werden dann für steuerliche Zwecke auf Konzernebene konsolidiert und anschließend anteilsmäßig auf Grundlage von bestimmten Schlüsselgrößen den einzelnen Unternehmen wieder zugeteilt.“

Staat und Konzerne stehen in Konkurrenz zueinander

Seit 2016 wird eine Neuauflage diskutiert. Was sich damit ändert, beschreibt die Wirtschaftswissenschaftlerin so: „Der neue Entwurf greift zumindest vorerst weniger stark in die empfindliche Steuersouveränität der einzelnen Länder und Staaten ein, da die Zusammenfassung von Unternehmensergebnissen auf Konzernebene und die anschließende Verteilung auf die Unternehmen erst in Zukunft eingeführt werden soll. Nichtsdestotrotz verändern sich für die Global Player die Anreize, Gewinne zum Zwecke der Steuerersparnis zu verlagern.“ Wie genau diese Unternehmen dann tatsächlich auf die Einführung reagieren und wie sich damit speziell strategische (Investitions-) Entscheidungen verlagern, ist Gegenstand von Ortmanns Forschung.

„Multinationale Konzerne werden die Schlüsselgrößen, auf Grundlage derer die Konzerngewinne den einzelnen Unternehmen zugeteilt werden sollen, im Rahmen ihrer Gestaltungsspielräume beeinflussen. So ist davon auszugehen, dass Arbeitskräfte – als eine der diskutierten Schlüsselgrößen – in Niedrigsteuerländer verlagert werden.“  Daraus wird ersichtlich: Niedrigsteuerländer sind tendenziell für eine Vereinheitlichung auf europäischer Ebene, Hochsteuerländer eher dagegen. In gewisser Weise stehen Staat und Unternehmen als Profiteure in Konkurrenz zueinander. Die Entscheidung, ob der Vorschlag umgesetzt wird, liegt letztendlich bei den Staaten. „Fest steht: Die Ausgestaltung von Steuerrecht beeinflusst unternehmerische Entscheidungen. Nur das „Wie“ hängt maßgeblich vom internationalen Steuersystem ab“, so Ortmann.  

Text: Nina Reckendorf, Stabsstelle Presse und Kommunikation

Die Universität der Informationsgesellschaft