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Experimentalvortrag Chemie

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Geschlechterrollen in der Schule

Prof. Dr. Antje Langer will mit ihrer Forschung geschlechtersensiblem Unterricht den Weg bereiten.

Rosa für Mädchen, blau für Jungs: Kaum ein Thema spaltet die Gemüter so sehr wie die Genderdebatte. Seit kurzem gibt es mit „intersexuell“ sogar ein drittes, offiziell anerkanntes Geschlecht. Welchen Einfluss aber hat Schule auf die viel diskutierte Konstruktion von Geschlechterrollen und welche Relevanz hat Körperlichkeit für Bildungsprozesse generell? Dr. Antje Langer, seit Oktober 2017 Professorin für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Geschlechterforschung, will mit ihrer Forschung geschlechtersensiblem Unterricht den Weg bereiten.

„Um eines vorweg zu nehmen: Natürlich gibt es biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau. Das wird oft falsch verstanden und der Geschlechterforschung als große Kritik angelastet. Die Frage lautet vielmehr: Welche Bedeutung haben diese Unterschiede“, stellt Langer richtig.

Die Professorin geht von einem verstärkten Einfluss des schulischen Umfelds auf Schülerinnen und Schüler hinsichtlich der sogenannten Geschlechterinszenierung aus. Ihre Forschung hat sie daher geschlechterreflektiertem Unterricht verschrieben. Empirisch geht sie u. a. der Frage nach, ob Stereotype oder sogar Vorurteile bereits in der Schule entstehen und wie dem begegnet werden kann.

Für die Wissenschaftlerin stehen dabei drei Forschungsschwerpunkte im Fokus: Körperlichkeit, Sexualität und Geschlecht. „Gerade in der Pubertät werden körperliche Veränderungen ganz unterschiedlich und zum Teil verunsichernd erlebt. Mich interessiert, welche Relevanz Körperlichkeit für Bildungsprozesse hat und welche Spielräume Heranwachsende im Umgang mit ihrem Körper haben“. Langer untersucht daher, wie Jugendliche aber auch Pädagoginnen und Pädagogen mit den gesellschaftlichen Anforderungen umgehen. Dazu erforscht sie in der Schule und in sozialpädagogischen Einrichtungen, wie die pädagogische Arbeit im Alltag aussieht.

Pädagogik der Vielfalt

Eine gegenwärtige Herausforderung sieht Langer vor allem darin, den gesellschaftlichen Wandel von Geschlechterverhältnissen wissenschaftlich angemessen zu erfassen. Dazu untersucht sie, wie Weiblichkeit aktuell von jungen Erwachsenen verstanden wird und welche Brüche und Widersprüche in den Konzepten enthalten sind. „Die Forschung soll dazu beitragen, gängige Geschlechtertheorien vor dem Hintergrund sich wandelnder und aktuell gegenläufiger Geschlechterkonzepte weiterzuentwickeln.“

Als wissenschaftliche Leiterin des Zentrums für Gender Studies geht es ihr um interdisziplinäre Forschung, aber auch darum, den Wissenstransfer und die Diskussion zu gesellschaftlich relevanten Fragen zu gestalten. „In den öffentlichen Diskursen ist bei gleichzeitiger Liberalisierung eine starke Retraditionalisierung zu spüren, also eine Rückkehr zu klassischen Rollenverständnissen und Familienverhältnissen. Solche Diskurse sind auch in der Schule wahrnehmbar“, stellt Langer fest. Sie beobachtet daher vor allem, wann und wie Geschlecht im Unterricht eine Rolle spielt. Mit ihrer Forschung will sie auch hier Sensibilisierungsarbeit leisten und Benachteiligungen entgegenwirken.

„Geschlechtergerechter Unterricht kann nur dann funktionieren, wenn Lehrkräfte ihre eigenen Zuschreibungen wahrnehmen und reflektieren können. Das bloße Wissen, dass es Stereotype gibt, reicht nicht.“ Angehende Lehrkräfte müssten bereits während des Studiums für das Thema sensibilisiert werden. Eine Anpassung der Lehrpläne – Geschlechtergerechtigkeit als Unterrichtsgegenstand – wäre als Lösung ebenso denkbar. Zusätzlich müsse erforscht werden, inwieweit Geschlechterkonstruktionen pädagogische Theorien beeinflussen. „Eigentlich geht es schon bei den Schulbüchern und den stilisierten Geschlechterrollen los“, ergänzt Langer. „Was wir brauchen, ist eine Pädagogik der Vielfalt.“

 

Text: Antje Langer und Nina Reckendorf, Stabsstelle Presse und Kommunikation

Die Universität der Informationsgesellschaft