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Experimentalvortrag Chemie

Photo: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

Informationstechnik im Gebäude O

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Laborausblick Halle IW

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Laserprojektionen im HNF

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Manometer einer CO2-Löschanlage

Photo: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

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Ernährung als gesellschaftliche Herausforderung

Prof. Dr. Anette Buyken möchte günstige Rahmenbedingungen schaffen

Gerade hat eine Studie enthüllt, dass rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig sind – damit ist jeder Dritte zu dick. Mit dem Übergewicht steigt das Risiko für folgenschwere Erkrankungen. Das liegt auch an dem allgegenwärtigen Nahrungsangebot, das im Überfluss vorhanden ist und häufig aus Fertigprodukten besteht, die ungünstige Fette oder Kohlenhydrate enthalten. Beeinflusst die Umwelt unsere Ernährung? Gibt es günstige Rahmenbedingungen für eine gute Ernährung – unabhängig von Inhaltsstoffen und Nährwerten? Prof. Dr. Anette Buyken, seit April Professorin für Public Health Nutrition (PHN), widmet sich der Förderung von Gesundheit und allgemeinem Wohlbefinden – und zwar durch die Erforschung gesellschaftlicher Ernährungsgewohnheiten.

 „Das Besondere an Public Health Nutrition ist, dass dabei nicht primär die Inhaltsstoffe und Nährwehrte im Sinne der klassischen Ernährungswissenschaft in den Fokus genommen werden. Es geht vielmehr darum, Warenpräsentation und Umweltfaktoren ebenso wie die soziale Interaktion zu analysieren und auf Basis der Ergebnisse wissenschaftlich fundierte Konzepte zu entwickeln.“ Zwar sei die Gesellschaft allgemein für das Thema Ernährung sensibilisiert, allerdings gebe es bislang wenig konkrete Strategien zur Prävention ernährungsbedingter Gesundheitsprobleme auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Das gelte insbesondere hinsichtlich und in Abhängigkeit der jeweiligen Umgebungen, in denen Menschen Nahrung zu sich nehmen, dem sogenannten Setting. Ebenso mangele es an eingehender wissenschaftlicher Betrachtung der Thematik.

Setting Schule

Im Blickpunkt des neu in Paderborn etablierten Forschungsfeldes stehen nachhaltige Verbesserungen des allgemeinen Lebensmittel- und Ernährungssystems. Dabei fokussiert sich Buyken zunächst auf den Bereich Schule. „Wir schauen, was funktioniert und was nicht. Beim Monitoring werden wir mit den Schulen, die wir in unsere Studien miteinbeziehen, Bestandsaufnahmen durchführen. Dann untersuchen wir, wie die jeweils eigenen Konzepte umgesetzt werden und wo eventuell Probleme liegen.“ Ebenso möchten wir Verbände, Caterer und Schulträger in die Erhebungen involvieren. Aber auch Eltern und Verpflegungspersonal sind wichtig: „Entscheidend ist, wie Kinder eingeladen werden, sich mit dem Thema Ernährung aktiv auseinander zu setzen. Das fängt in jungen Jahren an – nach oben sind keine Grenzen gesetzt.“ Sowohl qualitative als auch quantitative Ansätze sollen Risikofaktoren bzw. bestehende Hürden identifizieren und letztendlich in die Entwicklung partizipativer Präventionsmaßnahmen münden. „Haltungen zu ändern – und das muss ja letztlich das Ziel sein – gelingt nur durch Teilhabe“, erklärt Buyken.

Implikationen für Politik und Lehrerbildung

Langfristig werden die neu gewonnen Erkenntnisse auch Implikationen für die Politik beinhalten. Denn: Änderungen müssen systematisch und sukzessive auf verschiedenen Ebenen umgesetzt werden. „Und das ruft natürlich die Politik auf den Plan, die dafür günstige Rahmenbedingungen schaffen sollte. Dazu bedarf es praxisnaher Konzepte und Leitlinien, die die Schulen in der Entwicklung eigener Konzepte stärken. Dabei sollten die Erfahrungen und Bedürfnisse aller Beteiligten künftig vermehrt einbezogen werden. Die größte Crux liegt darin, dass wir etwas wissen, es aber nicht umsetzen können“, sagt Buyken. Im Bereich der Lehrerbildung sollen die Ansätze ebenfalls Anwendung finden und dazu führen, PHN fest im naturwissenschaftlichen Portfolio zu verankern.

Dringender Handlungsbedarf

Buykens Einschätzung der aktuellen Lage fällt dürftig aus: „Grundsätzlich sind wir schlecht aufgestellt. Public Health Nutrition ist in Deutschland eine bis dato von der Gesellschaft wenig beachtete Wissenschaft. Es gibt weder einheitliche Strategien noch ein etabliertes Netzwerk, das sich mit der Thematik beschäftigt. Dabei ist eine evidenzbasierte Bewertung von Präventionsmaßnahmen und Rahmenbedingungen so wichtig.“ Das zeige besonders der gegenwärtige Stand ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes, Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, lautet das Fazit der Wissenschaftlerin.

Text: Nina Reckendorf

The University for the Information Society